Israel: Hamas-Struktur im Norden demontiert
Autor: dpa
, Sonntag, 07. Januar 2024
Die Hamas-Strukturen im Gazastreifen bröckeln weiter. Außerdem will Israel neue Informationen über einen lange untergetauchten Drahtzieher der Attacke vom 7. Oktober erlangt haben. Der Überblick.
Drei Monate nach Beginn des Gaza-Kriegs hat die Sorge vor einer weiteren Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon einen neuen Höhepunkt erreicht. Israelische Politiker und das Militär erneuerten ihre Drohungen gegen die vom Iran unterstützte Schiitenorganisation. Seit Kriegsbeginn feuert die mit der islamistischen Hamas verbündete Hisbollah immer wieder Raketen auf Israels Norden. Auch die Lage im Westjordanland bleibt äußerst angespannt.
Um eine Deeskalation im Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas zu erreichen und eine Ausweitung abzuwenden besuchen erneut sowohl Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und US-Außenminister Antony Blinken Länder im Nahen Osten.
Scharfe Warnung von Netanjahu
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu richtete scharfe Warnungen an die Hisbollah. «Ich schlage vor, dass die Hisbollah lernt, was die Hamas in den letzten Monaten bereits gelernt hat: Kein Terrorist ist immun», sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros bei einer Kabinettssitzung. Israel sei entschlossen, den Bewohnern des Nordens eine Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen. «Wenn wir es können, werden wir es mit diplomatischen Mitteln erreichen, und wenn nicht, werden wir auf andere Weise handeln», sagte der Chef der konservativen Likud-Partei.
Israels Armeesprecher droht mit militärischer Gewalt
«Das diplomatische Zeitfenster mag klein sein, aber es steht denjenigen offen, die die Region in eine unnötige Eskalation hineinziehen», sagte Armeesprecher Daniel Hagari an die Hisbollah gerichtet. Israel müsse sicherstellen, dass sich das Massaker vom 7. Oktober an keiner seiner Grenzen wiederhole. «Wir haben die Pflicht, unser Volk zu verteidigen, wenn nicht mit diplomatischen Mitteln, dann mit Waffengewalt.» Auch heute gab es gegenseitigen Beschuss an der Nordgrenze zum Libanon.
Die Hisbollah gilt als weitaus mächtiger als die Hamas. Ihr Einfluss reicht tief in den von Krisen gelähmten libanesischen Staat hinein. Die «Partei Gottes» entstand 1982 mit iranischer Unterstützung als Antwort auf die israelische Invasion im Libanon. Seitdem kämpft sie politisch, aber auch mit Gewalt gegen Israel. Die Gruppe ist in dem multikonfessionellen Land am Mittelmeer auch im Parlament vertreten. Finanziert wird sie vorrangig vom Iran.
Blinken: «Moment erheblicher Spannungen»
Die Nahost-Region befindet sich nach Worten von US-Außenminister Blinken in einem «Moment erheblicher Spannungen». «Der Konflikt könnte schnell metastasieren, was noch mehr Leid in der Region verursachen würde», sagte Blinken nach einem Treffen mit Katars Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Doha. Er und seine Gesprächspartner seien sich einig, dass der Konflikt sich nicht ausweiten dürfe.
«Vom Anfang an haben wir immer vor einer wahrscheinlichen und gefährlichen Ausweitung des Konflikts gewarnt», sagte Al Thani. Die Tötung eines Hamas-Anführers in Beirut und eines ranghohen iranischen Generals in Syrien - beide mutmaßlich durch Israel angeordnet - seien zu verurteilen und ein Verstoß gegen die Souveränität dieser Länder.