Exit vom Brexit? Wie realistisch ein EU-Wiedereintritt ist
Autor: Patricia Bartos, Ann-Kristin Wenzel und Christoph Meyer, dpa
, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Auch Jahre nach dem Austritt der Briten aus der EU polarisiert der Brexit. Premierminister Burnham wagt nun einen Vorstoß in Richtung Rückkehr. Davon ist Großbritannien allerdings weit entfernt.
Als erster britischer Premierminister seit dem Votum für einen EU-Austritt vor zehn Jahren hat es Andy Burnham gewagt, die Möglichkeit einer britischen Rückkehr in die Union zu thematisieren. Der Labour-Politiker spricht damit etwas aus, was - zumindest theoretisch - bei den Briten schon lange mehrheitsfähig ist. In Umfragen liegen die proeuropäischen Wähler seit Jahren vor den Brexit-Befürwortern. Doch die Umsetzung eines Projekts zum Wiedereintritt dürfte nicht nur alte Wunden wieder aufreißen. Ein Überblick:
Wie realistisch ist der Exit vom Brexit?
Noch ist Burnhams sehr vorsichtiger Vorstoß weit davon entfernt, Realität zu werden. Bei dem noch in diesem Jahr anstehenden EU-UK-Gipfel will der Labour-Politiker erst einmal darlegen, welche Möglichkeiten es seiner Meinung nach für Großbritanniens langfristige Beziehung zu den europäischen Partnern gibt. «Wir müssen schauen, was machbar ist und was jeweils die Vor- und Nachteile wären», sagte der Labour-Politiker.
Dabei dürfte sich der als volksnah geltende Burnham vor allem auch an der Haltung der Wählerinnen und Wähler orientieren wollen. Sollten die Briten den Status quo beibehalten wollen, wäre auch das «definitiv eine Option», wie er versicherte. Der «Guardian» berichtete zudem, Regierungsbeamte hätten sich an Meinungsforschungsinstitute und Denkfabriken gewandt, um die öffentliche Meinung zu ermitteln.
Ein Wiedereintritt Großbritanniens in die EU wäre ein aufwendiger, jahrelanger Prozess. Ein Sonderverfahren für Ex-Mitglieder ist in den Verträgen nicht vorgesehen, die Briten müssten einen regulären Antrag stellen. Sonderabsprachen, die Großbritannien früher als EU-Mitglied etwa zum Schengen-Raum und dem Euro hatte, würden nicht automatisch wieder gelten. Am Ende der Verhandlungen stünde ein Vertrag, dem alle Mitgliedstaaten, EU-Institutionen und London zustimmen und den sie ratifizieren müssten.
Wie geht es Großbritannien seit dem Brexit?
Politisches Chaos, angeschlagene Wirtschaft und eine Spaltung der Gesellschaft in «Remainer» und «Leaver»: Auch wenn nicht alles auf den Brexit zurückzuführen ist, kommt das Land seit 2016 nicht aus dem Krisenmodus. Sieben Premierministerinnen und Premierminister gaben sich seitdem die Klinke in die Hand. Reformen blieben auf der Strecke.
Auch Brexit-Versprechen wie eine bessere Kontrolle über die Grenzen erfüllten sich nicht - mit dem Austritt gingen die Einwandererzahlen steil nach oben. Erst mit dem Brexit begannen die Überfahrten Zehntausender irregulärer Migranten über den Ärmelkanal. Ausgerechnet Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage geht nun mit seiner Warnung vor den «small boat migrants» auf Stimmenfang.
Wie sind die Beziehungen aktuell?
Großbritannien und die EU sind sich wieder ein gutes Stück nähergekommen - auch angesichts der Weltlage mit den unter Präsident Donald Trump unzuverlässiger gewordenen USA und Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Partner arbeiten zum Beispiel zu Sicherheit und Verteidigung enger zusammen, etwa bei der Unterstützung der Ukraine. Ab 2027 können Studenten vom europäischen Festland wieder über Erasmus+ an britischen Unis studieren und umgekehrt.