Charme-Offensive bei «verlässlichen Partnern» am Golf
Autor: Michael Fischer und Johannes Sadek, dpa
, Donnerstag, 05. Februar 2026
Die Golfstaaten sind wegen der Menschenrechtslage in der Kritik, haben aber auch viel zu bieten: Öl, Gas, Geld für Investitionen. Der Kanzler geht sehr pragmatisch auf sie zu.
Bundeskanzler Friedrich Merz will die Beziehungen zu den öl- und gasreichen, aber auch autoritär geführten Ländern der Golfregion auf ein neues Niveau heben. «Diese Region ist für uns in jeder Hinsicht äußerst interessant», sagte der CDU-Vorsitzende nach Gesprächen in Saudi-Arabien und Katar. Das gelte sowohl für die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Technologie als auch in Sicherheitsfragen.
Kanzler spricht von «beeindruckenden Persönlichkeiten»
Sein zweieinhalbstündiges Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Riad am späten Mittwochabend wurde anschließend aus der deutschen Delegation als «herzlich und offen» beschrieben. «Es sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ich hier treffe», sagte der Kanzler später selbst zu dieser und anderen Begegnungen.
Noch vor einigen Jahren war der Kronprinz wegen des brutalen Mords des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi im Generalkonsulat von Istanbul von westlichen Staaten geächtet worden. Jetzt spielt der Mordfall bei den internationalen Kontakten des Kronprinzen praktisch keine Rolle mehr.
Zweite Station des Kanzlers war Katar, das vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 noch unter anderem wegen desaströser Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen scharf kritisiert wurde. Merz lobte das kleine, aber sehr reiche Emirat nun als «sehr verlässlichen» Partner. «In einer Zeit globaler wirtschaftlicher Umbrüche, geopolitischer Unsicherheiten und technologischer Transformation konzentrieren sich Deutschland und Katar bewusst auf Dialog, Diversifizierung und Investitionen in die Zukunft.»
Umbruch der Weltordnung Grund für Pragmatismus
Der pragmatische Kurs des Kanzlers gegenüber den Golfstaaten hat sehr viel mit dem aktuellen Umbruch der Weltordnung zu tun. Als Konsequenz aus dem erodierenden transatlantischen Verhältnis will er Abhängigkeiten von Ländern wie den USA und China verringern und das Beziehungsnetzwerk Deutschlands vergrößern. Die Golfregion hat da viel zu bieten.
Es geht es vor allem um Energie, speziell Flüssiggas und Wasserstoff, aber auch um Rüstungskooperation und Investitionen der reichen Golfstaaten in Deutschland, durch die Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.
«Wir stellen die Golfstaaten nicht unter Generalverdacht»
Aus Sicht des Kanzlers können die Partnerschaften mit den autoritär geführten Ländern der Region nur gestärkt werden, wenn man nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf sie zugeht. Seine Zielländer stehen wegen systematischer Missachtung von Menschenrechten in der Kritik.