Israels Angriffe im Libanon stellen Waffenruhe auf die Probe
Autor: dpa
, Donnerstag, 09. April 2026
Nach Israels Luftangriffen im Libanon zieht der Iran die Sinnhaftigkeit von Verhandlungen mit den USA infrage. Platzt die Waffenruhe?
Nach Israels verheerenden Luftangriffen im Libanon droht der Iran, die gerade erst mit den USA vereinbarte Waffenruhe platzen zu lassen. Die USA müssten sich entscheiden - «entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben», schrieb Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.
Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump in der Nacht zum Donnerstag (US-Ortszeit), die Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden, gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung, rund um den Iran stationiert bleiben, bis das «erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird». Es werde alles bereitgehalten, was für die «tödliche Verfolgung und Vernichtung» eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, schrieb der Republikaner weiter.
In Reaktion auf Israels Angriffe im Libanon beschoss die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz derweil nach eigenen Angaben in der Nacht einen Kibbuz im Norden Israels. Die Angriffe würden fortgesetzt, bis die «israelisch-amerikanische Aggression» aufhöre, kündigte die Miliz in einer Erklärung an.
US-Vizepräsident JD Vance: Waffenruhe ist «fragil»
Trotz der Waffenruhe-Vereinbarung mit den USA droht der Iran weiterhin der Schifffahrt in der für den weltweiten Öl- und Gasmarkt wichtigen Straße von Hormus. Wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden abstimmen und ausgewiesene Ausweichrouten benutzen, hieß es in einer vom Staatssender IRIB verbreiteten Mitteilung der Hafenbörde. Am Mittwochabend hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, der Iran habe den Schiffsverkehr durch die Meerenge aus Protest über Israels Angriffe im Libanon wieder eingestellt. Nur zwei Öltanker hätten sie seit Beginn der Waffenruhe passiert.
US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe als «fragil». Die Öffnung der Straße von Hormus und die beidseitige Einstellung der Kampfhandlung seien «die Grundlage für die fragile Waffenruhe, die wir haben», sagte er in Budapest.
Mehr als 180 Tote nach Israels Angriffen im Libanon
Israel hatte in einem überraschenden Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 182 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Laut Israels Militärs galt der Angriff Kommandeuren und militärischer Infrastruktur der Hisbollah. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam kündigte für heute einen nationalen Trauertag an. Alle Verwaltungseinrichtungen und staatlichen Institutionen sollen geschlossen bleiben und die Flaggen auf halbmast gesetzt werden.
UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte die israelischen Luftangriffe scharf. Er «verurteilt entschieden die massiven Angriffe», teilte sein Sprecher auf der Plattform X mit. Dabei seien «Hunderte Zivilisten, darunter auch Kinder, getötet und verletzt» sowie zivile Infrastruktur beschädigt worden, hieß es.