Iran-Krieg: Angespannte Lage trotz Waffenruhe
Autor: dpa
, Donnerstag, 09. April 2026
Nach mehr als fünf Wochen Krieg im Iran schweigen die Waffen. Doch die Vereinbarung über eine Waffenruhe ist brüchig. Hält sie wirklich die vereinbarten zwei Wochen lang?
Nach der Verkündung der Waffenruhe im Iran-Krieg richtet sich der Blick gespannt auf die anstehenden Friedensgespräche. Israel ging zunächst weiterhin militärisch gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon vor, bevor es am Donnerstagabend überraschend die Aufnahme direkter Verhandlungen mit dem verfeindeten Nachbarland ankündigte. Der Iran will die Urananreicherung fortsetzen, was den Interessen Israels und der USA zuwiderläuft. Kontroversen gibt es nach wie vor auch um die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr.
Diese Konfliktpunkte legen einen Schatten über die Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran, die ab Freitag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad geplant sind. Zunächst seien Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen, hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Am Samstagmorgen sei ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf bis Sonntag andauern.
Die Bundesregierung sucht jetzt nach langer Funkstille wieder das direkte Gespräch mit Teheran, wie Kanzler Friedrich Merz ankündigte. «Unser Ziel ist, auf diesem Weg auch einen eigenen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zu leisten», sagte er mit Blick auf die Friedensgespräche.
Gegenseitige Drohungen trotz Waffenruhe
Nach Israels verheerenden Luftangriffen im Libanon drohte der Iran, die Waffenruhe platzen zu lassen. Die USA müssten sich entscheiden - «entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Sie können nicht beides haben», schrieb Außenminister Abbas Araghtschi auf der Plattform X. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation.
Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er in der Nacht zum Donnerstag (US-Ortszeit), die Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden rund um den Iran stationiert bleiben, bis das «erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird». Es werde alles bereitgehalten, was für die «tödliche Verfolgung und Vernichtung» eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei.
Israel hatte in einem überraschenden Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach libanesischen Angaben wurden mehr als 200 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Als Reaktion beschoss die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz nach eigenen Angaben in der Nacht einen Kibbuz im Norden Israels.
Netanjahu kündigt direkte Verhandlungen mit dem Libanon an
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte dann am Donnerstagabend mit, Netanjahu habe das Kabinett am Mittwoch angewiesen, Gespräche mit dem Libanon «so bald wie möglich» zu beginnen. Sie sollten sich auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. Libanons Präsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert.