GPS-Störungen: Die unsichtbare Front im Iran-Krieg
Autor: Johannes Sadek und Arne Bänsch, dpa
, Freitag, 31. Juli 2026
Navigation ist heute kaum vorstellbar ohne Satellitendaten. Im Krieg wird die Technik aber auch genutzt, um Feinde zu täuschen. Seeleute und Piloten sind mit einer zunehmenden Gefahr konfrontiert.
Die digitale Karte zeigt Hunderte kleine Symbole rund um die Straße von Hormus - jedes davon steht für ein Schiff. Aber die Öltanker und Frachter tauchen laut der Karte immer wieder an Orten auf, wo sie unmöglich sein können: an Land, etwa an Flughäfen oder an einem Atomkraftwerk. Die falsche Anzeige ist Teil einer unsichtbaren Front im Iran-Krieg, weil GPS-Navigationsdaten laufend gestört und verfälscht werden.
Navigation per Satellit kommt eben nicht nur in alltäglichen Handy-Apps zum Einsatz, mit denen man einen Fahrdienst oder eine Pizza bestellen kann. Sie wird auch im Schiffs- und Flugverkehr genutzt - und vom Militär. GPS leitet uns im Alltag, wird im Krieg aber massiv blockiert, etwa um den Einsatz von Lenkwaffen und Drohnen zu erschweren oder Schiffsrouten zu verschleiern. Die Risiken für den Schiffs- und Flugverkehr steigen damit in einer ohnehin schon gefährlichen Region noch weiter.
Was hat es mit GPS Jamming und Spoofing auf sich?
Beim Jamming («Verstopfen», «Lahmlegen») werden Satelliten-Signale blockiert. Armeen können damit erreichen, dass feindliche Drohnen oder einfache gelenkte Raketen ihr Ziel verfehlen. Der Gegner soll verwirrt, ein taktischer Vorteil erreicht werden.
Beim Spoofing («Täuschen») werden dagegen falsche Signale erzeugt, wodurch zum Beispiel die Position eines Schiffes falsch auf einer Karte angezeigt wird. Tanker, die entgegen bestehender Sanktionen iranisches Öl transportieren, können so ihre Route verschleiern und unbemerkt Häfen ansteuern. Spoofing kann auch bei illegaler Fischerei oder Waffenschmuggel zum Einsatz kommen. Teils schalten Crews den AIS-Sender ihrer Schiffe, die den Standort übertragen, auch ab («going dark»).
Der Datenanbieter Windward zählte seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als eine Million solcher Ereignisse weltweit. 98 Prozent davon fanden bis Mitte Juni in der Golfregion statt. Windward spricht vom größten Anstieg in der Geschichte der Seefahrt - allein in den ersten beiden Kriegswochen seien mehr als 1.100 Schiffe betroffen gewesen. Der Iran soll die GPS-Manipulation perfektioniert haben, aber auch Israel und die USA sowie die Golfstaaten setzen dieses Mittel angeblich ein, etwa um Militärbasen, Flughäfen oder Ölanlagen zu schützen.
Ist diese Form der Kriegsführung neu?
Nein, GPS-Störungen wurden schon bei den Kriegen in der Ukraine, im Gazastreifen und auch beim US-Einsatz in Venezuela beobachtet. Auch im Baltikum, im Schwarzen Meer und bei Ölexporten in Russlands Osten haben sie zugenommen. Laut Windward ist GPS Jamming mit dem Iran-Krieg aber zum «Routine-Werkzeug» geworden und quasi im «Mainstream» angekommen. Kleine GPS-Jammer, die in den meisten Ländern verboten sind, kann man im Internet schon für wenige hundert Euro bekommen.
Schon im Ersten Weltkrieg gab es Versuche, die Navigation des Gegners zu erschweren und technische Geräte zu täuschen. Im Zweiten Weltkrieg griffen die Alliierten wie auch die Achsenmächte Radar, Kommunikation und Navigation des Feindes an. 1940 gelang es den Briten in der «Strahlen-Schlacht», ein neues Funksystem der deutschen Wehrmacht zu durchschauen und zu stören, woraufhin die Luftwaffe ihre Bomben über dem falschen Ziel abwarf und Flieger sich verirrten.