Gefechtsübung in Litauen: «Im Krieg wäre ich jetzt tot»
Autor: Carsten Hoffmann (Text) und Kay Nietfeld (Fotos), dpa
, Sonntag, 14. Juni 2026
An der Ostflanke der Nato übt die Bundeswehr-Panzerbrigade «Litauen» erstmals das Gefecht. Der neue Verband ist Teil der Abschreckung, aber auch Versuchslabor für das Ziel Kriegstüchtigkeit.
Im Ernstfall würden Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Oder auch verhängnisvolle Fehleinschätzungen, schon bevor die deutschen Panzergrenadiere ihren Kampf um eine aus Minen, Stacheldraht und Barrikaden gelegt Sperre des Gegners überhaupt aufgenommen haben.
Hauptfeldwebel Philip (die Nachnamen der Soldaten dürfen nicht genannt werden) treibt seine Leute bei der Übung «Freedom Shield 2026» in Litauen zum Vorstoß, nachdem sie aus dem hinteren Kampfraum ihrer Schützenpanzer gesprungen sind. «Angriff, Angriff, Angriff», befiehlt er über Funk. Schüsse fallen, dazwischen laute Rufe der Soldaten und unweit entfernt das Dröhnen der schweren Kettenfahrzeuge.
«In Verbindung mit den Panzern haben wir Panzergrenadiere eine enorme Stoßkraft», sagte der knapp 40-Jährige. Wenn alles klappt. Sein 34 Soldaten zählender Zug aus Fahrzeugbesatzungen und 22 Panzergrenadieren erlebt auf der Übung militärische Erfolge und bittere Niederlagen, bei denen das laserbasierte Trainingssystem AGDUS simulierten Tod oder Verletzung anzeigt.
Neuland für die Bundeswehr: Kampf im Drohnengefechtsstand
Die neue Panzerbrigade 45 der Bundeswehr - sie trägt den Beinamen «Litauen», weil sie zur Abschreckung gegenüber Russland in dem Land an der Nato-Ostflanke stationiert ist - übt erstmals auf litauischem Boden das Gefecht. Daran sind auf dem Truppenübungsplatz Pabrade ungefähr 2.900 Soldaten beteiligt, davon 2.300 aus Deutschland. Sie sollen aus Fehlern lernen, sind als Brigade aber auch Vorzeigeprojekt und Versuchslabor für die angestrebte Kriegstüchtigkeit.
Dazu wendet die Bundeswehr-Brigade neue Konzepte für den Kampf gegen und mit Drohnen an. So werden Panzer mit mehreren Drohnen gleichzeitig angegriffen. Permanent surren unbemannte Systeme in der Luft.
Bei einem Besuch zeigt Brigadegeneral Christoph Huber dem Heeresinspekteur Christian Freuding praktische Konzepte für Drohnengefechtsstände. Aus solchen können Drohnen für Aufklärung und auch Angriff gesteuert werden.
Huber plädiert dafür, weitere Typen kleinerer Kamikaze-Drohnen zu beschaffen, über die größere sogenannte Loitering Munition hinaus. Gut wären FPV-Drohnen, die ein Operator mit Videobrille aus der Perspektive des Systems steuert, ein in der Ukraine erfolgreiches Konzept. «Was wir aufklären können, wollen wir auch direkt zerstören können», sagt Huber.