Steine fliegen, Scheiben bersten: Protest gegen G7 in Genf
Autor: Christiane Oelrich, Anna Ringle und Michael Kappeler, dpa
, Sonntag, 14. Juni 2026
Feuer, Tränengas und zersplitterte Scheiben: In Genf eskaliert der Protest gegen den G7-Gipfel. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.
Ein zunächst friedlicher Protest gegen den bevorstehenden G7-Gipfel in Frankreich ist in Genf am Sonntag zunehmend eskaliert. Am Spätnachmittag und Abend schmissen Vermummte zahlreiche Scheiben ein, die Polizei setzte mehrfach Tränengas ein.
Ein Block aus einigen Hundert schwarz gekleideten Mitläufern störte die lange Zeit friedliche Atmosphäre der Demonstranten. Die Vermummten rissen Pflastersteine aus dem Boden und Sperrholzverkleidungen von Schaufenstern, setzte ein Auto und Müllcontainer in Brand und warf zahlreiche Scheiben ein, sowohl von Geschäften als auch an Bushaltestellen, Reklametafeln sowie den Eingängen von UN-Organisationen.
Polizei mit Großaufgebot
Die Polizei sprach von mindestens 20.000 Teilnehmenden, die Organisatoren von Zehntausenden. Die Polizei war mit rund 7.000 Sicherheitskräften im Einsatz. Sie hielt sich lange im Hintergrund. Abseits der genehmigten Marschroute riegelte sie aber mit großem Aufgebot etwa die wichtigste Brücke über die Rhone zu den Haupteinkaufsstraßen und an anderer Stelle den Hauptsitz der Vereinten Nationen ab.
Die Polizei berichtete auf Facebook, dass sie mehrere Gegenstände konfiszierte, die offenbar für Konfrontationen mit der Polizei vorgesehen gewesen seien.
Große Bandbreite an Protestthemen
Die «No G7»-Koalition aus 60 Organisationen protestierte laut einem Manifest gegen US-Militärbasen in Europa, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten.
Die G7 bezeichneten sie als «illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht». Dort fällten «Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.»
Genf aus Ausweichort
Das Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt an diesem Montag in Évian auf der französischen Uferseite des Genfersees. Genf liegt rund 50 Kilometer entfernt, aber Frankreich wollte nach Angaben der Genfer Stadtregierung keine Proteste dulden. Deshalb meldeten die Organisatoren die Demonstration in Genf an.