Fünf Lehren aus dem Merz-Besuch bei Trump
Autor: Michael Fischer, dpa
, Mittwoch, 04. März 2026
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold: An dieses Sprichwort hat sich Merz wie schon bei seinem ersten Mal im Oval Office auch jetzt wieder gehalten. Diesmal löst die Zurückhaltung aber Verärgerung aus.
Ein fester Händedruck, ein Klaps aufs Knie und viele warme Worte. Bei allen inhaltlichen Differenzen und Verwerfungen, die es in den Beziehungen zwischen Europa und den USA von Zöllen über Grönland bis zur Ukraine gibt - US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz kommen immer noch ganz gut miteinander aus.
Beim gemeinsamen Auftritt im Oval Office vor laufenden Kameras wählte der Kanzler am Dienstag dieselbe Strategie, wie schon bei seinem Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres. Er ließ Trump reden, hörte ihm geduldig zu und verzichtet auf Widerworte.
Beim ersten Mal ist er damit gut durchkommen, der Besuch wurde anschließend medial als Erfolg gewertet. Diesmal löst er mit seiner Zurückhaltung Ärger bei den europäischen Verbündeten aus. Fünf Lehren aus den dreieinhalb Stunden im Weißen Haus.
Merz und Trump können miteinander
Ein «sehr erfolgreicher Mann», ein «ausgezeichneter Anführer», der einen «großartigen Job» mache - wie schon beim Antrittsbesuch im Juni vergangenen Jahres umschmeichelte Trump den Kanzler. Und er sagte, was er besonders gut an ihm findet: Dass er «ziemlich das Gegenteil» seiner Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) ist, mit der Trump es in seiner ersten Amtszeit zu tun hatte. Deutschland war damals Trumps Lieblingsgegner, weil es billiges russisches Gas über die Nord-Stream-Pipeline bezog, nicht genug fürs Militär ausgeben wollte und Hunderttausende Flüchtlinge ins Land ließ. Bei Merz sei das nun anders, sagt er.
Trump will keine deutsche Militärhilfe gegen Iran
Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet Trump «großartig» und auf Forderungen nach einer Beteiligung an der Militäraktion verzichtet er. «Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun.»
So viel Zufriedenheit Trumps mit der deutschen Haltung war nicht unbedingt zu erwarten, da Merz vor seiner Reise zwar auf Kritik an dem Angriff verzichtet, aber auch klar auf die Risiken hingewiesen hat.
Im Oval Office versuchte Merz den Eindruck zu erwecken, dass er mit Trump bei den Zielen der Operation weitgehend auf einer Linie sei. «Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran beseitigt werden muss», sagte er.