Wie lange hält die Gipfelharmonie mit Trump?
Autor: Michael Fischer und Ansgar Haase, dpa
, Mittwoch, 17. Juni 2026
Der Iran-Krieg hat die USA und die Europäer entzweit. Die Hoffnung auf Frieden bringt sie nun wieder zusammen. Das bietet neue Chancen. Fragt sich nur, wie lange das hält?
«Love Is a Long Road.» Mit diesem Song von Tom Petty über eine schwierige Liebesbeziehung hat der französische Präsident Emmanuel Macron auf Instagram die Ankunft von US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel im französischen Évian unterlegt. Das konnte kaum anders gedeutet werden als eine Anspielung auf das kriselnde Verhältnis zwischen Trump und seinen europäischen Verbündeten.
Nach drei gemeinsamen Tagen der Staats- und Regierungschefs führender westlicher Wirtschaftsmächte am Genfersee haben sich beide Seiten unter dem Eindruck des nahenden Endes des Iran-Kriegs aber wieder deutlich angenähert. Ob die Gipfelharmonie wirklich haltbar ist, wird sich aber erst noch zeigen.
Das sind die wichtigsten Lehren aus dem Spitzentreffen:
Die G7 lebt
Der Sinn der Gipfel führender westlicher Industrienationen ist in den 51 Jahren seit Gründung der G7 (damals noch als G6) immer wieder infrage gestellt worden. Das gilt vor allem für Trumps Regierungsjahre. Der hat als erster eine Gipfelerklärung aus Verärgerung nachträglich platzen lassen und im vergangenen Jahr reiste er einfach einen Tag früher ab.
Diesmal bleibt er bis zum Schluss. Vielleicht, weil er unbedingt am Abend noch mit Macron im Schloss Versailles speisen will. Aber es dürfte auch am Verlauf des Gipfels gelegen haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schwärmte von «einer wirklich großen transatlantischen und europäischen Einigkeit». Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der Gastgeber, bezeichnete den Gipfel als «Moment des strategischen Erwachens».
Die Hoffnung auf Frieden im Iran schweißt zusammen
Grund für die neue Harmonie ist die Rahmenvereinbarung über eine Beendigung des Iran-Kriegs, mit der Trump an den Genfersee gereist war. Das noch gar nicht in Gänze öffentlich bekannte Papier wird zwar schon von vielen für zu große Zugeständnisse an den Iran kritisiert. Aber trotzdem ist die Erleichterung über ein Ende der Kämpfe und die bevorstehende Öffnung der Straße von Hormus, der weltweit wichtigsten Handelsroute für Öl, groß. Davon erwartet man sich vor allem ein Ende der Energiepreiskrise.
Es gibt aber noch einiges zu tun. Dazu gehört die Aushandlung eines neuen Atomabkommens ebenso wie die Minenräumung und die Sicherung der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus. Bei letzterem Punkt kommen die Europäer ins Spiel. Sie wollen in den nächsten Tagen und Wochen eine Militärmission auf die Beine stellen.