«Fühle mich betrogen» - So geht es den USA vor den Midterms
Autor: Johanna Hänsel, Franziska Spiecker und Khang Mischke, dpa
, Dienstag, 20. Oktober 2026
In zwei Wochen wählen die US-Amerikaner ihr Parlament. Die Midterms gelten auch als Referendum über die Politik des Präsidenten, mit der viele unzufrieden sind. Was beschäftigt die Landsleute Trumps?
Als US-Präsident Donald Trump Anfang des Monats seine Wahlkampftour startete, sagte er etwas, das aufhorchen ließ. Vor Mitarbeitern eines Lastwagen-Herstellers im texanischen Denton lobte er wie gewohnt seine eigene Politik, betonte aber auch, dass die Öffentlichkeitsarbeit schlecht laufe. Man leiste «phänomenale Arbeit», verkaufe diese aber vielleicht nicht gut. Fehler an seiner Führung des Landes räumte Trump damit zwar nicht ein. Es war jedoch ein seltener Moment des öffentlichen Eingeständnisses, dass seine Politik in den USA gerade nicht so gut ankommt.
Inzwischen sind die wichtigen Kongresswahlen am 3. November nur noch zwei Wochen entfernt - und die Beliebtheitswerte des Präsidenten sind nach wie vor schlecht. Viele seiner Landsleute sind unzufrieden, fühlen sich mit ihren Sorgen alleine gelassen. Was sind aus ihrer Sicht gerade die größten Probleme im Land? Und was hat Trump damit zu tun?
Hohe Lebenshaltungskosten belasten US-Amerikaner
Die wirtschaftliche Unsicherheit und die hohen Lebenshaltungskosten gehören aktuell zu den größten Sorgen der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Pew Research Center, die im Juli und August durchgeführt wurde, spüren viele die Folgen finanzieller Belastungen unmittelbar: Mehr als die Hälfte verfügt nicht über ausreichende Rücklagen, um drei Monate ohne Einkommen auszukommen. Gut jeder Vierte kann seine monatlichen Rechnungen nicht vollständig bezahlen.
Ob Miete, Lebensmittel, Transport oder Gesundheitsversorgung - ein erheblicher Teil der Befragten hat Schwierigkeiten, grundlegende Ausgaben zu finanzieren. Hinzu kommen Sorgen um die Altersvorsorge und Schulden.
Viele Bürgerinnen und Bürger machen Trump selbst für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich. Das zeigt eine Ende September durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungszentrums AP-NORC, einer Kooperation der US-Nachrichtenagentur AP mit dem Forschungsinstitut NORC. Demnach sehen 65 Prozent die Ursachen für die ungewöhnlich hohen Preise eher in Trumps Politik als in Faktoren außerhalb seiner Kontrolle.
Hohe Spritpreise heizen die Inflation an
Besonders im Fokus stehen dabei aktuell die gestiegenen Spritpreise in den USA. Wird es in der Autofahrernation an der Tankstelle teurer, macht sich das schnell bemerkbar. Rund drei Viertel der Erwachsenen gaben bei einer aktuellen Umfrage des Pew Research Centers zwischen Ende September und Anfang Oktober an, über die Energie- und Benzinpreise «sehr besorgt» zu sein. Zahlen wie diese setzen Trump und seine Republikaner vor den Zwischenwahlen unter Druck.
Der US-Präsident trat an, um Kriege zu beenden - und profitierte bei seinem Wahlsieg 2024 nicht zuletzt von der Unzufriedenheit seiner Landsleute mit der wirtschaftlichen Lage. Doch Ende Februar startete Trump gemeinsam mit Israel einen Krieg gegen den Iran, der die Spritpreise in die Höhe trieb. Fast acht Monate später ist der Konflikt noch immer nicht beigelegt.