Kämpferin für das Völkerrecht: Friedensnobelpreis an Pillay
Autor: Christina Peters und Julia Wäschenbach, dpa
, Freitag, 09. Oktober 2026
«Navi» Pillay kämpft seit Jahrzehnten für das Völkerrecht, das zunehmend unter Druck steht. Nun bekommt die Juristin aus Südafrika den Friedensnobelpreis. Israel sieht die Entscheidung als Affront.
Sie hat keine Scheu davor, sich mit den Mächtigen der Welt anzulegen: Für ihren Einsatz «zur Förderung von Frieden und Völkerrecht» ist die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Pillay habe «maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden», sagte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, in Oslo.
Die Jury lobte Pillays Unabhängigkeit, ihren «außergewöhnlichen Mut», ihre Integrität und ihren «festen moralischen Kompass». Sie habe Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben. In einer Zeit, in der internationales Recht unter enormem Druck stehe und seine Institutionen angegriffen werden, brauche es Menschen wie Pillay, so das Komitee.
Die 85-Jährige kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid in Südafrika und machte später als internationale Spitzenjuristin Karriere. Sie war Richterin am UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sowie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Zuletzt leitete sie eine UN-Untersuchungskommission, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
Die Ehrung ist damit auch politisch brisant: US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben sowohl die Arbeit der UN-Kommission zum Gazastreifen als auch internationale Gerichte infrage gestellt. Israels Außenministerium griff die Entscheidung des Nobelkomitees scharf an.
Preisträgerin wusste zunächst nichts von ihrem Glück
Erreicht hatte die Nobelpreisjury die Preisträgerin vor der Verkündung nicht. Pillay hielt sich zu dem Zeitpunkt bei einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht in Nürnberg auf. Dort habe sie der Direktor des Nuremberg Forums aus einer Veranstaltung geholt und ihr gesagt, sie solle sich erst einmal setzen, beschrieb die 85-Jährige den Moment, als sie von der Auszeichnung erfuhr. Diese nannte sie «völlig unerwartet» und eine «wunderbare Überraschung».
Während die Friedensnobelpreisträgerin 2025, die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, ihren Preis symbolisch Trump zugedacht hatte, widmete Pillay die Auszeichnung den Überlebenden internationaler Verbrechen und den Verteidigern des Völkerrechts. Deren Mitgefühl und Mut sorgten dafür, dass Straflosigkeit nicht hingenommen werde. «Wir leben in einer Zeit, in der internationales Recht und Menschenrechte unter erheblichem politischem Angriff stehen», sagte die Juristin in Nürnberg.
Vor ihrem offiziellen Statement war Pillay vor Ort mit Applaus empfangen worden. Einen kleinen Verweis auf den US-Präsidenten konnte sich die Preisträgerin nicht verkneifen: «Wenn ihr noch weiter klatscht, teile ich den Preis vielleicht mit Trump», scherzte sie nach Angaben des norwegischen Rundfunks.