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Forbach in Frankreich: Frau jahrelang gefoltert und eingesperrt? Frau möglicherweise krank


Autor: Agentur dpa

Forbach, Mittwoch, 09. August 2023

Eine Frau beschuldigt ihren Mann, sie seit Jahren gefangen zu halten. Auch soll er sie gefoltert haben. Die Polizei nimmt den in Frankreich lebenden Deutschen fest. Im Verhör spricht er von einer Krankheit.
Das Polizeirevier in Forbach. Im Fall eines deutschen Paares in Ostfrankreich hält die Justiz die Vorwürfe der Freiheitsberaubung, Folter und Vergewaltigung für fragwürdig.


Update vom 09.08.2023, 9.45 Uhr: Beschuldigter Ehemann freigelassen - Fall möglicherweise ganz anders

Im aufsehenerregenden Fall eines deutschen Paares in Ostfrankreich hält die Justiz die Vorwürfe der Freiheitsberaubung, Folter und Vergewaltigung für fragwürdig. Es gebe keine Erkenntnisse, die die schweren Beschuldigungen der Frau gegen ihren Mann untermauerten, sagte der Staatsanwalt von Saargemünd, Olivier Glady, am Dienstag. Der 55 Jahre alte festgenommene Deutsche solle noch am Dienstag (8. August 2023) aus dem Polizeigewahrsam entlassen werden. Für eine strafrechtliche Verfolgung des Mannes gebe es keine Anhaltspunkte.

Zunächst waren Ermittlungen wegen möglicher Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Folter aufgenommen worden. Glady wertete den Vorwurf der Freiheitsberaubung nun als "inexistente Wirklichkeit". Für Vergewaltigungen gebe es keine Spuren, auch der Vorwurf der Folter konnte durch keine gewonnenen Erkenntnisse erhärtet werden.

Fehlende Spuren - War der Fall wirklich, wie das mutmaßliche Opfer schildert?

Am Montagmorgen hatten französische Polizisten den Mann in Forbach, nahe dem Saarland, festgenommen. Seine 53 Jahre alte Frau, ebenfalls Deutsche, hatte Glady zufolge zuvor die deutschen Sicherheitskräfte angerufen. Sie gab an, seit 2011 von ihrem Mann gefangen gehalten und misshandelt zu werden. Warum die Frau ausgerechnet im hessischen Wiesbaden und nicht im angrenzenden Saarland anrief? Sie habe die Telefonnummer der Polizei in einer Fernsehsendung gesehen und im Kopf behalten, sagte Glady.

Statt eines strafrechtlichen Schreckens scheine der Fall viel mehr soziale Verzweiflung zu offenbaren, resümierte der Staatsanwalt. In der langen Befragung habe die Frau ihre Anschuldigungen wiederholt. Ihr Mann hingegen sprach von einer Krankheit, unter der seine Gattin seit Längerem leide. Diese bestritt, krank zu sein. "Aber zum jetzigen Zeitpunkt und besonders unter Berücksichtigung der rechtsmedizinischen Erkenntnisse ist ihre eigene Einschätzung der Situation vielleicht nicht die zutreffendste."

An welcher Erkrankung die Frau genau leiden soll, war zunächst nicht klar. Auch das Paar könne keine eindeutige Diagnose nennen, sagte Glady. Es habe keinerlei medizinische Betreuung gegeben. Der Mann hatte erzählt, die beiden hätten sich nicht an französische Ärzte gewandt, weil sie kein Französisch sprachen. Auch seien sie in Frankreich nicht versichert und hätten sich Gedanken über medizinische Kosten gemacht.

Nicht in Frankreich versichert - Ehepaar war nicht versichert

Das Paar ist seit 2001 verheiratet und lebt seit Jahren in Frankreich. Der Mann war dort zunächst für ein deutsches Unternehmen tätig. Als die Firma umzog, verlor er seinen Job und erhielt aus Frankreich Arbeitslosengeld. Zu seiner Familie in Deutschland habe er keinen Kontakt. Auch die Frau stehe nicht mit ihren in Spanien lebenden Eltern und ihrer Schwester in Verbindung.

Seit Symptome auftraten, so gab es der Mann in seiner Vernehmung an, pflegte der Deutsche seine Frau. Vor rund zehn Monaten habe sich ihr Zustand verschlechtert. Sie hätte seitdem nicht mehr gehen können. Staatsanwalt Glady zufolge vermutet der Mann, dass seine Frau ihn für ihr Leiden verantwortlich macht und aus diesem Grund die schweren Vorwürfe gegen ihn erhoben hat. Die Frau war am Dienstagabend noch immer im Krankenhaus. Die Ergebnisse einer psychologischen Untersuchung standen aus.

Update vom 08.08.2023, 10.15 Uhr: Deutsche in Frankreich gefangen gehalten? Justiz ermittelt weiter

Nach der Festnahme eines Deutschen in Ostfrankreich ermittelt die Justiz weiter zu dem Vorwurf, der Mann habe seine Frau gefangen gehalten und misshandelt. Am Montagabend war die Befragung des 55-Jährigen noch nicht abgeschlossen, auch seine 53 Jahre alte Frau sollte noch vernommen werden.

Die Frau, die ebenfalls Deutsche ist, hatte einen Notruf nach Deutschland abgesetzt und angegeben, von ihrem Mann seit 2011 eingesperrt und gefoltert worden zu sein. Die Polizei habe zunächst keine eindeutigen Hinweise dazu entdeckt, dass die Frau in der Wohnung festgehalten worden sei, sagte der Staatsanwalt von Saargemünd, Olivier Glady.

Ermittlungen laufen zu Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Folter. Angesichts der schweren Vorwürfe müsse die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Frau selbstverständlich geprüft werden, sagte Glady. Der Mann solle aber vorerst in Gewahrsam bleiben. Der französische Sender BFMTV hatte zunächst berichtet, die Frau habe die deutschen Sicherheitskräfte mit einem entwendeten Telefon alarmiert. Glady zufolge fanden Polizisten sie in der Nähe eines Kabeltelefons. Brüche, Blutergüsse oder wunde Stellen habe sie nicht gehabt. Auch seien in ihrer Nähe keine Blutspuren gefunden worden.

Der festgenommene Mann habe in Polizeigewahrsam von einer Krankheit gesprochen, die seine Frau habe. In der Nachbarschaft des Paares sei die Erkrankung bekannt, sagte Glady. Die Ermittler hätten Kontakt zur Krankenkasse aufgenommen, um dies näher zu prüfen.

Das Paar lebt mindestens seit 2011 in Frankreich, der Mann sei seit einer Weile arbeitslos, sagte Glady. Der französischen Polizei waren sie demnach nicht bekannt. Ob die deutsche Justiz oder Polizei die beiden kennt, werde geprüft.

Update vom 07.08.2023, 19.31 Uhr: Justiz warnt vor voreiligen Schlüssen

Im Fall einer angeblich jahrelang von ihrem deutschen Mann gefangengehaltenen Frau hat die französische Justiz zu Vorsicht vor schnellen Schlüssen gemahnt. Die Polizisten hätten keine eindeutigen Hinweise darauf entdeckt, dass die 53-Jährige in der Wohnung eingesperrt worden sei, sagte der Staatsanwalt von Saargemünd, Olivier Glady, am Montagabend.

Die Deutsche sei ohne Fesseln in der Nähe eines Telefons gefunden worden und habe keine wunden Stellen und keine Blutergüsse gehabt. Auch seien bei Untersuchungen keine Brüche festgestellt worden, was zumindest den Vorwurf schlimmster Folter auszuschließen scheine. Das Szenario scheine sich von dem Schreckgespenst einer extrem brutalen Person im östlichen Moselle wegzubewegen.

Am Montag war in Forbach nahe dem Saarland ein Deutscher festgenommen worden. Seine Frau hatte zuvor Sicherheitskräfte in Deutschland alarmiert und angegeben, seit 2011 von ihrem Mann eingesperrt und misshandelt worden zu sein. Der 55-jährige Mann kam in Polizeigewahrsam. Dort sagte er, seine Frau leide seit Längerem an einer Krankheit.

Original-Meldung vom 07.08.2023, 15.45 Uhr: Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Deutschen

Nahe des Saarlands ist in Frankreich ein Deutscher festgenommen worden, der verdächtigt wird, seine Frau gefangen gehalten und gefoltert zu haben. Der Mann Mitte 50 wurde am Montagmorgen (7. August 2023) in Forbach festgenommen und kam in Polizeigewahrsam, wie eine Sprecherin der französischen Polizei sagte. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.

Der französische Sender BFMTV berichtete, die Frau habe am Wochenende mit einem entwendeten Telefon Sicherheitskräfte in Deutschland alarmiert. Dem Bericht zufolge gab die Deutsche an, seit 2011 von ihrem Mann festgehalten und misshandelt worden zu sein. Die Polizei habe die Frau bei dem Einsatz am Montag nackt in einem verschlossenen Zimmer gefunden. Sie sei in ein Krankenhaus gebracht worden.