Feindbild Kommunismus: Kann Trump damit Wahlen beeinflussen?
Autor: Franziska Spiecker, dpa
, Donnerstag, 10. Sept. 2026
Antikommunismus ist in den USA tief verwurzelt. Vor den Zwischenwahlen knüpfen Trump und seine Republikaner daran an und bezeichnen Demokraten als «Kommunisten». Ist das erfolgversprechend?
Glaubt man den Worten von US-Präsident Donald Trump, dann sehen sich die USA gerade ihrer wohl größten Bedrohung ausgesetzt: dem Kommunismus. Er platziert diese Botschaft ständig - bei einer Veranstaltung an einer Schule genauso wie auf der großen Bühne zum 250. Unabhängigkeitstag der USA oder beim Nato-Gipfel in der Türkei. Das Feindbild Kommunismus beschwören Trump und seine Republikaner knapp zwei Monate vor den Zwischenwahlen auch bei ihrem Parteitag in Dallas im Bundesstaat Texas: Wählt uns, sonst kommt die radikale Linke an die Macht, so die Botschaft.
Für Trump scheint dabei wie üblich kein Superlativ drastisch genug: «Kommunismus ist die größte Bedrohung für unser Land in seiner Geschichte - den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, Pearl Harbor und den 11. September eingeschlossen», sagte er etwa im Juli.
Die angebliche Gefahr geht nach Darstellung der Republikaner von den Demokraten aus. Insbesondere deren linke Vertreter setzen sie seit Wochen immer wieder mit Kommunisten gleich. Ist das eine Strategie, die sich bei den Wahlen im November auszahlen wird?
Anknüpfung an historisches Feindbild
Die Angst vor einer kommunistischen Bedrohung hat in den USA eine lange Tradition. Insbesondere während des Kalten Kriegs war Antikommunismus stark ausgeprägt. Die Wähler hätten Kommunisten damals als Feinde betrachtet, sagt der Historiker Matthew Dallek von der George Washington University der Deutschen Presse-Agentur.
Die aktuelle Situation - rund 35 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion - sei jedoch anders. «Es gibt keinen Kalten Krieg.» Die Vorstellung, dass da draußen eine große kommunistische Bedrohung lauere, sei verblasst. Gleichzeitig hilft seiner Einschätzung nach aber der jüngste Aufschwung einiger linker Demokraten in gewisser Weise, diese Vorstellung wiederzubeleben.
Gleichsetzung linker Demokraten mit Kommunisten
Bei parteiinternen Vorwahlen der Demokraten vor den Zwischenwahlen haben sich einige sehr linke Kandidatinnen und Kandidaten durchgesetzt - etwa Abdul El-Sayed, der im umkämpften Bundesstaat Michigan einen Senatssitz ergattern will. Der 41-Jährige fordert unter anderem eine allgemeine staatliche Krankenversicherung und eine stärkere Besteuerung von Superreichen. Als die Nachricht über seinem Sieg die Runde machte, sprach Trump prompt von «tollen Neuigkeiten» für die Republikaner und bezeichnete ihn als «kommunistischen Versager».
Bereits im Sommer 2024, als sich Trump im Wahlkampf um die Präsidentschaft mit der Demokratin Kamala Harris konfrontiert sah, setzte er auf diese Strategie: «Alles, was wir tun müssen, ist, unseren Gegner als Kommunisten oder Sozialisten definieren oder als jemanden, der unser Land zerstören wird.»