Familie stirbt im Türkei-Urlaub: Lange Haftstrafen für Angeklagte
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Istanbul, Freitag, 26. Juni 2026
Vor einem Istanbuler Gericht wurden mehrere Personen zu Haftstrafen verurteilt, die für den Tod einer deutschen Familie verantwortlich sein sollen.
Update vom 26.06.2026: Familie stirbt im Türkei-Urlaub: Lange Haftstrafen für Angeklagte
Im November 2025 reiste eine Familie aus Hamburg in den Urlaub nach Istanbul - und kehrte nie wieder zurück. Sowohl die Eltern als auch die beiden kleinen Kinder starben an einer Vergiftung mit Insektizid, das in ihrem Hotel verwendet worden war.
Der Fall hatte sowohl in Deutschland als auch in der Türkei große Betroffenheit ausgelöst - und die Angehörigen der Verstorbenen in tiefes Leid gestürzt. Am Freitag (26. Juni 2026) wurden mehrere Menschen zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.
Prozess um tote Hamburger Familie: Richter spricht von "bewusster fahrlässiger Tötung"
Im seit April laufenden Prozess vor einem Istanbuler Gericht ist der Betreiber des Hotels zu 13 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt worden. Der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma, dessen Sohn und ein Mitarbeiter der Firma erhielten Haftstrafen zwischen 18 Jahren und 12 Jahren und 2 Monaten. Der Richter sprach bei der Urteilsverkündung von "bewusster fahrlässiger Tötung".
Ursprungsmeldung vom 21.04.2026: Istanbul: Prozess um Tod von deutscher Familie im Urlaub - Anwalt mit Forderung
Fünf Monate nach dem tragischen Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg beginnt am Dienstag (21. April 2026) der Prozess gegen sechs Angeklagte in Istanbul. Die Eltern und ihre zwei Kleinkinder waren im vergangenen November in die Türkei gereist und erkrankten schwer. Zunächst wurde eine Lebensmittelvergiftung vermutet, doch ein Gutachten stellte später eine Vergiftung durch ein im Hotel verwendetes Insektizid fest. Die Mutter und ihre beiden Kinder starben zuerst, kurze Zeit später auch der Vater im Krankenhaus.
Vor dem Gericht im Istanbuler Viertel Caglaya stehen nun sechs Angeklagte. Fünf von ihnen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft: Der Hotelbesitzer, ein Rezeptionist, der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma und dessen Sohn, sowie ein Mitarbeiter, der die Insektizidbehandlung durchgeführt haben soll.
Prozess nach Tod von Hamburger Familie in Istanbul - Insektizid zur Bekämpfung von Bettwanzen genutzt
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen "bewusste fahrlässige Tötung" vor und fordert der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge Haftstrafen zwischen zwei Jahren und acht Monaten bis zu 22 Jahren und fünf Monaten. Einem weiteren Hotelmitarbeiter wird "fahrlässige Tötung" vorgeworfen, was eine Strafe von bis zu 15 Jahren nach sich ziehen könnte.
Die Schädlingsbekämpfungsfirma steht massiv in der Kritik. Laut Anklageschrift sei die Chemikalie Aluminiumphosphid verwendet worden, die nicht zur Bekämpfung von Bettwanzen geeignet sei. Zudem habe die Firma nicht über die notwendigen Genehmigungen verfügt und keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Bereits in der Vergangenheit hatte es der Anklage zufolge eine Strafanzeige gegen die Firma wegen eines mutmaßlichen Vergiftungsfalls gegeben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe bislang zurück.