EU hebt Sanktionen gegen russische Milliardäre auf
Autor: Ansgar Haase, Katharina Redanz und Niklas Treppner, dpa
, Dienstag, 22. Sept. 2026
Sie sorgten für viel Zoff unter den EU-Ländern, doch nach langem Ringen steht fest: Zwei milliardenschwere russische Oligarchen sind nicht mehr mit EU-Sanktionen belegt. Andere dafür umso länger.
Nach langem Ringen hebt die EU wegen einer drohenden Totalblockade von Russland-Sanktionen durch einzelne Mitgliedstaaten ihre Strafmaßnahmen gegen die beiden russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman auf. Das teilte ein EU-Diplomat mit.
Mit der Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman beschlossen die EU-Staaten auch die Verlängerung der Sanktionen gegen rund 3.000 andere Personen, Einrichtungen und Unternehmen um 36 Monate. Bis zum 22. September 2029 dürfte damit Ruhe in die bislang jedes halbe Jahr wiederkehrende Debatte um die Verlängerung von bestehenden Sanktionen einkehren.
Die Zeit drängte, denn ohne die Akzeptanz der Sanktionsentscheidungen von allen Mitgliedsländern wären diese in der Nacht zum Mittwoch ausgelaufen. Allen gelisteten Akteuren wird vorgeworfen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kremls zu profitieren.
Kritik aus der Ukraine
Die Streichung der Strafmaßnahmen gegen Usmanow und den aus der Ukraine stammenden Fridman wurde von Kiew als «beschämend und nicht zu rechtfertigen» bezeichnet. «Moskau feiert, weil es erreicht hat, was es wollte: ein Gefühl der Straffreiheit, die Demütigung der EU und Uneinigkeit unter den Europäern», schrieb Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Der Diplomat forderte «alle» EU-Mitglieder dazu auf, nun eigene nationale Sanktionen gegen die beiden Russen zu verhängen.
Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Entscheidung. Nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in New York schrieb er auf sozialen Netzwerken von einem selbstzerstörerischen und kontraproduktiven Signal. «Kriege werden durch Entschlossenheit und Stärke beendet, nicht durch Nachsicht gegenüber den Vertrauten des Angreifers», mahnte der Staatschef.
Vor der EU-Entscheidung hatte das ukrainische Außenministerium die EU-Staaten dazu aufgefordert, nicht nur bestehende Sanktionen beizubehalten, sondern den Druck auf Moskau noch zu erhöhen.
Frankreich und Slowakei lobbyierten für Usmanow
Den Beschlüssen waren intensive Verhandlungen unter den Mitgliedsstaaten vorausgegangen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte zunächst die Slowakei gefordert, die Sanktionen gegen den Milliardär Usmanow aufzuheben und damit das neue Sanktionsdrama in Gang gesetzt. Der Initiative hatte sich vor kurzem überraschend auch Frankreich angeschlossen - laut Brüsseler Kreisen, um im Gegenzug im Ausland inhaftierte französische Staatsbürger freizubekommen. Danach forderte demnach Luxemburg, dass bei einer Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow auch die Sanktionen gegen Fridman aufgehoben werden müssten.