Kiew feiert Unabhängigkeit: Milliarden für Kampf gegen Putin
Autor: Ansgar Haase und Ulf Mauder, dpa
, Montag, 24. August 2026
Die Ukraine zeigt sich zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit stolz auf ihren Kampf gegen Russlands Krieg. Dafür gibt es auch weitere Rüstungshilfe der EU und aus Großbritannien. Moskau schimpft.
Die Ukraine hat zum 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit weitere westliche Militärhilfe für den Kampf gegen den russischen Angriffskrieg erhalten. Die EU genehmigte neue Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro. Die Mittel seien für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen, teilte die EU-Kommission mit. Der neue britische Premierminister Andy Burnham absolvierte derweil seinen ersten Auslandsbesuch in der Ukraine. Er sicherte dem Land Militärhilfe zu und will ihm die Produktion von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer Technologie ermöglichen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing die internationalen Gäste, darunter die Staats- und Regierungschefs aus Luxemburg, Lettland, Moldau, Litauen, Finnland und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa, zum Nationalfeiertag bei Sonnenschein auf dem Sophienplatz in Kiew. Dabei wurde in einer Schweigeminute auch der Opfer des seit viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskriegs gedacht.
Die Ukraine erlangte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Kampfansage an Putin: «Die Ukraine wird das schaffen»
Selenskyj nutzte den Tag für eine Kampfansage an Kremlchef Wladimir Putin, der den Krieg begonnen hatte. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden, sagte Selenskyj in einem Video. Er kündigte darin weiteren Widerstand an. «Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen.»
Selenskyj sieht Putin mit seinen Kriegszielen gescheitert. Moskau habe unterschätzt, wie entschlossen die Ukrainer um ihre Unabhängigkeit kämpfen. Putin habe Russland groß machen wollen, doch heute gebe es lange Schlangen an den Tankstellen. Seine Soldaten würden von Kiews Armee auf dem Schlachtfeld «zu Dünger» gemacht. Zugleich schwor Selenskyj sein Land auf eine Fortsetzung der Kämpfe ein: «Wir müssen unser Militär stärken.» Für den Verteidigungsetat hatte er am Wochenende 30 Milliarden Euro von der EU gefordert.
Hilfen aus Brüssel und London
Die EU genehmigte einen Teil der Milliarden vor dem Hintergrund einer Verschärfung der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen. «Während Russland seine Angriffe verstärkt, weiten wir unsere Unterstützung aus, damit die Ukraine ihre Bevölkerung schützen und ihren Luftraum verteidigen kann», sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Finanzhilfen sind Teil eines neuen Unterstützungsdarlehens im Umfang von bis zu 90 Milliarden Euro. Es wird in mehreren Tranchen ausgezahlt.
Burnham brachte bei seinem Besuch ein Geschenk mit. Der Brite leitete am Nachmittag von Kiew aus gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Videoschalte der sogenannten Koalition der Willigen. Und in dieser kündigte er an, dass er einen Antrag Selenskyjs für den Bau von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer «Storm Shadow»-Technologie genehmigt habe.