Wichtige Medikamente zusammen beschaffen
Sogenannte strategische Projekte sollen zudem schneller genehmigt werden und leichter Zugang zu Förderung bekommen. Mehrere Länder können sich zudem zusammenschließen und gemeinsam wichtige Medikamente beschaffen. Das betrifft unter anderem Arzneimittel für seltene Erkrankungen, bei denen sonst laut Kommission der Markt versagt.
Mit kritischen Arzneimitteln sind laut EU-Kommission Medikamente gemeint, «bei denen es nur wenige oder gar keine Alternativen gibt und bei denen die Patientinnen und Patienten durch Versorgungsengpässe ernsthaft geschädigt würden». Dazu gehören demnach unter anderem Antibiotika und Antithrombotika, Krebstherapeutika und Herz-Kreislauf-Mittel. Sie sind in einer Liste aufgeführt.
Eine verpflichtende Umverteilung kritischer Arzneimittel zwischen Mitgliedstaaten soll anders als zwischenzeitlich diskutiert nicht eingeführt werden. Die Länder können dies aber freiwillig tun. Sie wollen zudem Informationen über Notfallbestände austauschen. Nach Angaben des Parlaments gibt es große Unterschiede, welche Arzneimittel in den einzelnen EU-Staaten verfügbar sind.
Bevor die Regeln in Kraft treten können, müssen sie noch vom Europaparlament und den EU-Staaten bestätigt werden. Normalerweise gilt das als Formsache, wenn sich die Unterhändler der Institutionen zuvor auf einen Kompromiss geeinigt haben.
Ersatz zu suchen kostet Zeit
CDU-Gesundheitspolitiker Peter Liese nannte die Einigung einen extrem wichtigen Schritt «für die Lösung eines extrem großen Problems». «Viele Patientinnen und Patienten leiden darunter, dass das für sie vorgesehene Medikament nicht lieferbar ist. Medizinisches Personal verbringt unzählige Stunden damit, Ersatz zu beschaffen», teilte der Arzt mit.
Auch in Apotheken ist der Aufwand nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) groß: «Das Management von Lieferengpässen verursacht einen Zeitaufwand für das Apothekenpersonal, der in Deutschland pro Apotheke im Durchschnitt bei mehr als 20 Stunden in der Woche liegt», teilte Mathias Arnold, Leiter der Europadelegation der ABDA, mit.
Tiemo Wölken, gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD, begrüßte unter anderem, dass die EU Risiken künftig früher erkennen und koordinierter handeln könne, um Engpässe zu verhindern.
Patienten in Europa sollen sich keine Sorgen darüber machen müssen, ob wichtige Arzneimittel in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verfügbar sind, teilte der zyprische Gesundheitsminister, Neophytos Charalambides, mit. Sein Land hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne und organisierte deshalb wichtige Beratungen zum Thema.