Stürzt Großbritanniens Premier über den Epstein-Skandal?
Autor: Patricia Bartos und Christoph Meyer, dpa
, Montag, 09. Februar 2026
Weil er einen Epstein-Vertrauten zum Botschafter in den USA machte, erlebt Keir Starmer seinen «dunkelsten Tag». König Charles will der Polizei bei möglichen Ermittlungen gegen seinen Bruder helfen.
Der Epstein-Skandal erschüttert in Großbritannien sowohl die Regierung als auch das Königshaus. Das Amt von Premierminister Keir Starmer schien zeitweise am seidenen Faden zu hängen. Dem Labour-Politiker könnte zum Verhängnis werden, dass er einen Epstein-Vertrauten zum Botschafter in den USA gemacht hat. Nachdem der Druck über Tage immer größer geworden war, traten in kurzer Folge mehrere Vertraute Starmers zurück. Auch der Premier selbst war mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.
Für die Royals wird unterdessen die einst enge Beziehung von Ex-Prinz Andrew mit dem Sexualstraftäter Epstein immer stärker zur Belastung. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen Andrew zutage gefördert hatten, kündigte König Charles III. laut einer Mitteilung des Palasts an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen Bruder zu unterstützen.
Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Jeffrey Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Starmer lässt Rücktrittsforderung zurückweisen
Der in die Enge getriebene Premier Starmer wandte sich am Abend an seine Fraktion, um dort für Unterstützung zu werben. Zuvor hatte der Chef der Labour-Partei in Schottland, Anas Sarwar, Starmer zum Rückritt aufgefordert. Er ist der bislang ranghöchste Parteifreund Starmers, der dem Premier die Unterstützung entzog. Mehrere Minister stellten sich hingegen hinter den Regierungschef, dem britische Medien den «dunkelsten Tag» seit Amtsantritt im Juli 2024 bescheinigten.
«Die Führung in der Downing Street muss ausgetauscht werden», sagte Sarwar bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Glasgow. Es könne nicht weitergehen wie bisher, sagte der Politiker, der bei der Regionalwahl in Schottland im Mai darauf hofft, die regierende Unabhängigkeitspartei SNP abzulösen.
Starmer ließ die Forderung von einem Sprecher zurückweisen. Er werde nicht zurücktreten. Der Premier habe ein «klares Mandat für fünf Jahre vom britischen Volk, um Wandel herbeizuführen und das ist, was er tun wird», sagte der Sprecher.
Kabinett schart sich um Premier
Unterdessen stellten sich zahlreiche Minister der Labour-Regierung hinter ihren Premier. «Wir dürfen uns durch nichts von unserer Mission, Großbritannien zu verändern, ablenken lassen, und wir unterstützen den Premierminister dabei», teilte Vizepremier David Lammy auf der Plattform X mit. Unterstützung kam unter anderem auch von Finanzministerin Rachel Reeves, Verteidigungsminister John Healey und Außenministerin Yvette Cooper.