Zuvor waren sowohl Starmers engster Vertrauter in der Regierung, Stabschef Morgan McSweeney, als auch Kommunikationschef Tim Allan von ihren Posten zurückgetreten.
Mandelson stürzt Starmer in Krise
Die brenzlige Situation, in der sich Starmer nun befindet, hat er dem Labour-Veteranen und früheren Wirtschaftsminister Peter Mandelson zu verdanken, den er kurz nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zum Botschafter in Washington ernannt hatte.
Mandelson hatte enge Verbindungen zu Epstein, wie die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten beweisen. Dass Mandelson auch nach Epsteins Verurteilung wegen der Prostitution einer Minderjährigen den Kontakt gehalten hatte, war Starmer bekannt, wie er kürzlich eingestehen musste. Während seiner Zeit als Wirtschaftsminister unter Ex-Premier Gordon Brown soll Mandelson mitten in der Finanzkrise sogar marktrelevante Informationen an den US-Investor verraten haben. Die Polizei ermittelt in der Sache.
Hat sich Andrew strafbar gemacht?
Die Polizei interessiert sich auch für die Beziehung zwischen Epstein und dem Ex-Prinzen Andrew. Die für Windsor zuständige Polizeibehörde hatte mitgeteilt, sie prüfe Vorwürfe, wonach Andrew in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an Epstein weitergeleitet haben könnte. Britische Medien hatten in den Epstein-Akten E-Mails entdeckt, die nahelegen, dass Andrew etwa Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an den Sexualstraftäter weiterleitete. Ob sich Andrew damit selbst strafbar gemacht haben könnte, war zunächst unklar.
Der Buckingham-Palast wollte die offizielle Einleitung von Ermittlungen nicht abwarten. Der König habe seine tiefe Besorgnis über die Vorwürfe hinsichtlich des Verhaltens seines Bruders bereits durch Worte und ein beispielloses Vorgehen deutlich gemacht, sagte ein Palastsprecher laut einer Mitteilung am Abend.
Er fügte demnach hinzu: «Die konkreten Vorwürfe sind von Herrn Mountbatten-Windsor zu klären. Sollte sich die Thames Valley Police an uns wenden, stehen wir bereit, sie zu unterstützen, wie es sich gehört.» Die Gedanken und Sympathien des Königspaars seien stets bei den Opfern jeglichen Missbrauchs, hieß es in der Mitteilung weiter.
Andrew hat wegen seiner angeblichen Verwicklung in den Missbrauchsskandal um Epstein alle Ehren, militärische Ränge und Titel verloren. Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, darunter auch, als sie noch minderjährig war. Er stritt alle Vorwürfe stets ab, doch eine Zivilklage Giuffres endete im Vergleich. Zuletzt wurde ihm von Charles sogar der durch Geburt erworbene Titel «Prinz» aberkannt. Er heißt nun nur noch Andrew Mountbatten-Windsor. Zudem musste er aus dem luxuriösen Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen.
Auch William und Kate äußern sich zum Epstein-Skandal
Als Charles am Montag der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire einen Besuch abstattete, rief ihm ein Mann zu: «Wie lange wussten Sie über Andrew Bescheid?» Es war bereits der zweite öffentliche Auftritt des Königs, der von einem Zwischenruf zu dem Thema gestört wurde.
Prinz William und Prinzessin Kate bezogen erstmals öffentlich Stellung in der Angelegenheit. «Ich kann bestätigen, dass der Prinz und die Prinzessin über die anhaltenden Enthüllungen zutiefst besorgt sind», sagte ein Sprecher des Thronfolgerpaars mehreren Medienberichten zufolge. «Ihre Gedanken sind weiterhin bei den Opfern», heißt es weiter.