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Elsass: Junge (9) von Vater in Kleinbus gefangen gehalten - ein Jahr lang


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

68210 Hagenbach, Sonntag, 12. April 2026

Über ein Jahr soll ein Junge in einem Lieferwagen gefangen gewesen sein. Beim Auffinden soll er nicht mehr laufen gekonnt und unter einer Decke neben Exkrementen gelegen haben.
Ein Foto zeigt ein Wohnhaus und einen Parkplatz. Ein Vater soll seinen neunjährigen Sohn über ein Jahr in einem Lieferwagen gefangen gehalten haben. Der Mann sei von der Polizei festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Mulhouse mit. Von Nachbarn alarmierte Beamte hätten das Kind nackt und unterernährt in dem Fahrzeug auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses entdeckt.


Polizisten haben in einem abgestellten Lieferwagen im Elsass einen Neunjährigen gefunden, der in dem Wagen gefangen gehalten worden sein soll. Zuvor hatten Anwohner in der kleinen französischen Ortschaft Hagenbach immer wieder verdächtige Geräusche aus dem Lieferwagen. Der Besitzer jedoch spielte es herunter und behauptete, es handle sich um eine Katze. Als nach einem Hinweis auf Kindergeräusche aus dem Fahrzeug Polizisten schließlich abends den Kleinbus aufbrechen, finden sie in ihm den neunjährigen Sohn des Besitzers. Der 43-Jährige soll den Jungen über ein Jahr in dem Wagen gefangen gehalten haben, teilte Staatsanwalt Nicolas Heitz in Mulhouse mit. Der Mann wurde festgenommen.

Von Nachbarn alarmierte Beamte hätten das Kind nackt und unterernährt in dem Fahrzeug auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses entdeckt. Er habe in Embryonalhaltung in dem Lieferwagen unter einer Decke neben Exkrementen gelegen. Aufgrund des langen Aufenthalts in dem Lieferwagen sei das Kind nicht mehr in der Lage gewesen zu laufen, als es entdeckt wurde, sagte der Staatsanwalt. Der Vater wohnte in einer Wohnung im ersten Stock des Hauses. Der Ort liegt nahe der Grenze zu Deutschland und der Schweiz.

Vater sperrt Sohn in Lieferwagen ein - Fahrzeug mit Kamera überwacht

Laut eigenen Angaben wurde der Junge zwischen September und Dezember 2024 in dem Lieferwagen eingesperrt und hat Ende 2024 das letzte Mal geduscht. Der Junge wurde in eine Klinik nach Mulhouse gebracht. Die Lebensgefährtin des Vaters wurde ebenfalls festgenommen. Mit dem Paar in der Wohnung lebten zwei zehn und zwölf Jahre alte Töchter. Die Wohnung habe einen vollkommen ordentlichen Eindruck gemacht, berichtete der Staatsanwalt.

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Bei der Befragung habe der Junge angegeben, große Beziehungsprobleme mit der Lebensgefährtin gehabt zu haben. Sie habe ihn nicht mehr in der Wohnung haben wollen und darauf gedrängt, dass er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Sein Vater habe ihn in den Kleinbus gesperrt, um eine Einweisung zu vermeiden.

Mit einer Videokamera überwachte der Vater den im Hof stehenden Lieferwagen. Aufzeichnungen zeigten, dass der Vater sich zweimal täglich zu dem Fahrzeug begab, um dort etwas hereinzuwerfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Wie der Junge den Ermittlern sagte, habe sein Vater ihm Essen gebracht und Wasserflaschen hingestellt. Er hatte nur einen Rucksack mit Kleidung in dem Lieferwagen und musste in Plastikflaschen urinieren und seine andere Notdurft in Müllsäcken verrichten.

Vater gesteht Wegsperren des Sohns ab November 2024

Die zehnjährige Tochter der Lebensgefährtin berichtete den Ermittlern, dass der Vater den Lieferwagen für die tägliche Fahrt zur Arbeit genutzt habe, und ihre Mutter bereits Geräusche aus dem Fahrzeug gehört hatte. Der Vater habe geantwortet, es handele sich um eine Katze, sagte Staatsanwalt Heitz.

Die zwölfjährige Schwester des Jungen erzählte den Fahndern, sie lebe seit vier oder fünf Jahren bei ihrem Vater, da ihre Mutter unter psychischen Problemen leide. Die Patchwork-Familie sei Anfang 2024 in die knapp 800 Einwohner zählende Ortschaft Hagenbach gezogen, und zu dieser Zeit habe sich das Verhalten ihres Bruders verändert. Zwei Monate nach Schulbeginn 2024 habe sie ihren Bruder dann nicht mehr gesehen und bemerkt, dass ihr Vater regelmäßig die Wohnung verließ, um zum Lieferwagen zu gehen.

Im Verhör gestand der Vater, seinen Sohn ab November 2024 in den Kleinbus gesperrt zu haben, um ihn zu schützen, da seine Lebensgefährtin ihn in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen wollte, sagte der Staatsanwalt. Im Sommer 2025, als die Familie im Urlaub war, habe er ihm Zugang zur Wohnung gewährt. Seine Lebensgefährtin habe zwar einen Verdacht gehabt, aber nicht gewusst, dass der Junge in dem Wagen war.

Angehörige wollen von nichts gewusst haben

Die Lebensgefährtin bestritt bei der Vernehmung hingegen den gesamten Sachverhalt. Sie gab an, Geräusche aus dem Kleinbus gehört zu haben, auf Fragen, ob sich jemand darin befinde, aber keine Antwort erhalten zu haben. Sie sei überzeugt gewesen, dass der Junge in einer Anstalt untergebracht worden sei, so der Staatsanwalt.

Die Angehörigen des Paares gaben bei ihrer Befragung an, nichts von der Anwesenheit des Kindes im Lieferwagen gewusst zu haben. Sie hätten gedacht, der Junge sei wie von dem Paar angegeben in eine Klinik gekommen. Wie der Staatsanwalt betonte, gibt es aber keine medizinischen Belege für die Existenz psychiatrischer Probleme. Der Junge habe bis zum Schuljahr 2023/2024 mit sehr guten schulischen Leistungen die erste Klasse in Mulhouse besucht.

Gegen den Mann und die Frau, die bislang nicht justizbekannt waren, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Staatsanwalt. Der Junge befindet sich weiterhin in Sicherheit in einer Klinik. Die Ermittler würden prüfen, ob weitere Personen von dem Schicksal des Jungen hätten wissen müssen, ohne ihm zu helfen.

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