"Eine Schande für Deutschland": Schröder feiert mit Putin

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"Eine Schande für Deutschland": Schröder auf Putins Geburtstagsparty
Gerhard Schröder (r), ehemaliger deutscher Bundeskanzler, gibt Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, bei dessen vierter Amtseinführung 2018 im Kreml die Hand ...
"Eine Schande für Deutschland": Schröder auf Putins Geburtstagsparty
Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa (Symbolbild)

Altkanzler Gerhard Schröder ist einer Einladung des russischen Präsidenten auf dessen Geburtstagsfeier nachgekommen. Von vielen Seiten regt sich Empörung.

Der Kreml hat auf der Plattform Telegram mitgeteilt, der russische Präsident Wladimir Putin habe am Mittwochmorgen (7. Oktober 2026) aus den Medien von der Anwesenheit Gerhard Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. "Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein", hieß es. Demnach hatte Schröder am Mittwoch mit dem Kremlchef dessen 74. Geburtstag gefeiert. Gezeigt wurden auch Fotos, auf denen zu sehen ist, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen. 

Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.

Große Wut auf Gerhard Schröder - "Verrat an Europa"

Nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier steht der Altkanzler massiv in der Kritik. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigt sich "zutiefst empört". So sei "Putin allein für den Krieg in der Ukraine verantwortlich", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Putins Befehle sorgten jeden Tag "für unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete". Der Bundeskanzler empfinde "es vor diesem Hintergrund als geradezu unmoralisch, dass Herr Schröder an einem solchen Tag mit Herrn Putin feiert".

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner verteidigte den Altkanzler dagegen. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik.

Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen. Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: "Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden." Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet. 

SPD‑Außenpolitiker Stegner: Schröder kann Türen zu Putin öffnen

Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und "eine frische Ladung Rubel". Er fügte hinzu: "Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder". 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte hingegen dem "Tagesspiegel", man müsse "in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen." Stegner fügte hinzu: "Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg." Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. "Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: "Mach weiter mit dem Krieg!'", sagte Stegner weiter. 

Putin brachte Schröder als Vermittler ins Gespräch

Dem Nachrichtenportal t-online sagte der SPD-Abgeordnete: "Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist." Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein "Geburtstagsgeschenk für Putin". Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen. Der russische Präsident hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen - und seine Kriegsziele bisher nicht erreicht. 

Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb - die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung.