Seit Oktober 2025 sollen im Gaza-Krieg die Waffen schweigen, doch es gibt weiter Angriffe Israels und die Hamas ist bislang nicht entwaffnet. Die Menschen vor Ort sehnen sich derweil nach Normalität.
Seit einem Jahr gilt im Gaza-Krieg eigentlich eine Waffenruhe, doch Frieden ist nicht in Sicht. Ein von den USA vorangetriebener Plan zur Beendigung des Kriegs zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas stagniert. Im Gazastreifen leben die Menschen derweil weiter unter prekären Bedingungen. Zuletzt hat Israels Armee ihre Luftangriffe zudem wieder verstärkt.
Wie steht es derzeit um die Waffenruhe?
Israels Militär sagt, bei den jüngsten Angriffen gezielt ranghohe Hamas-Mitglieder ins Visier zu nehmen. Oftmals handelt es sich um Beteiligte am Hamas-Terrorüberfall am 7. Oktober 2023. Israel will alle noch verbliebenen 2.000 Beteiligten töten. Insgesamt sollen am Tag des Massakers rund 5.000 bis 6.000 Terroristen nach Israel eingedrungen sein.
Der israelische Militärexperte Danny Orbach von der Hebräischen Universität in Jerusalem geht dennoch nicht davon aus, dass Israel die Waffenruhe vollständig aufkündigen wird – auch, um international nicht weiter isoliert zu werden. Mit den Angriffen wolle das Land die Hamas unter Druck setzen, damit die Islamistenorganisation ihre verbliebenen Hochburgen im Gazastreifen aufgibt.
Seit Beginn der Waffenruhe kontrolliert das israelische Militär etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens, im restlichen Gebiet hat die Hamas ihre Kontrolle gefestigt. «Israel hat die Hamas militärisch stark geschwächt, es jedoch nicht geschafft, sie in den von ihr kontrollierten Gebieten des Gazastreifens von der Macht zu verdrängen», sagt Orbach. Er glaubt nicht, dass Israels Armee dies mit ihrer Strategie gezielter Angriffe erreichen wird. Dafür brauche es eine diplomatische Lösung.
Wie geht es mit dem Gaza-Plan weiter?
Ein von den USA unterstützter Plan, der die Entwaffnung der Hamas und anschließend einen Abzug der israelischen Armee und den Wiederaufbau des großflächig zerstörten Gebiets vorsieht, kommt allerdings derzeit nicht voran. Israel kritisiert, dass die Waffen der Hamas unter palästinensischer Kontrolle eingelagert werden sollen. Das Land fordert, die Waffen vollständig aus dem Küstenstreifen zu entfernen, damit sie der Hamas nicht wieder in die Hände fallen.
Militärexperte Orbach fasst die Lage so zusammen: «Die Hamas hofft, politisch und militärisch so lange zu überleben, bis die internationale Gemeinschaft Druck auf Israel ausübt, den Wiederaufbau auch ohne ihre Entwaffnung zu erlauben. Israel wiederum hofft, dass die Aussicht auf einen Wiederaufbau sowie die Kosten der anhaltenden Zerstörung die Hamas schließlich zum Einlenken bewegen werden.» Ein Ende des Stillstands ist derzeit nicht absehbar. Übergeordnetes Ziel des Plans ist ein dauerhaftes Ende des Kriegs.
Wie war die Situation vor Beginn der Waffenruhe?
Auslöser des verheerenden Kriegs war das Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel. Terroristen aus dem Gazastreifen töteten dabei rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 weitere in das Palästinensergebiet. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem bei Israels Luftangriffen und Einsätzen am Boden mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern.