Drohnenkrieg ohne Ende? Ukraine-Konflikt steckt in Sackgasse
Autor: Ulf Mauder, dpa
, Sonntag, 17. Mai 2026
Stillstand in den Verhandlungen im Ukraine-Krieg, an der Front kaum Bewegung. Gibt es einen Ausweg aus dem Drohnenkrieg, der vieles überlagert? Dazu gibt es von dem Russland-Experten Uhl nun ein Buch.
Russland und die Ukraine überziehen sich nach Ende der von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe wieder gegenseitig massiv mit Luftangriffen. Nicht nur in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben viele Zivilisten, auch in Russland gibt es Tote. Ein Krieg der Drohnen prägt das Geschehen. Dabei gibt es am Boden kaum Bewegung. Schon jetzt ist die Front keine Linie mehr, sondern eine «graue Zone» des Todes von mehr als 1.000 Kilometern Länge und stellenweise bis über 20 Kilometer Breite.
Doch nicht nur Kämpfe am Boden stecken in der Sackgasse, weil sich die Gegner auflauern und auf jeden Versuch eines Vorstoßes von Truppen mit Drohnenschlägen reagieren. Auch die Verhandlungen zu einem Kriegsende stecken fest – nicht nur, weil die USA als Vermittler mit dem Iran-Krieg beschäftigt sind. Moskau und Kiew setzen nach Meinung vieler Beobachter selbst weiter auf Kampf und Sieg.
Zwar hatte Kremlchef Wladimir Putin noch vor einer Woche in einem Nebensatz fallen lassen, er denke, dass sich der Krieg dem Ende zuneige. Er bezog das aber, wie der Kreml danach klarmachte, auf Erwartungen Moskaus, dass sich Präsident Wolodymyr Selenskyj den russischen Bedingungen beuge – und seine Truppen früher oder später aus dem Gebiet Donezk abziehe. Selenskyj aber lehnt solche Geschenke ab. Deshalb stehen die Zeichen auf Kampf.
Abnutzungskrieg geht weiter
«Im Moment wird sich der Abnutzungskrieg erst einmal fortsetzen», sagt der Russland-Experte und Historiker Matthias Uhl. Er zeigt in seinem neuen Buch «Wie stark ist Russland wirklich? Die Wahrheit über Putins Militärmacht» (Herder) mögliche Entwicklungen auf. Es gebe in der Geschichte viele Beispiele, dass Kriege trotz Erschöpfung und Bekundung einer Friedensbereitschaft noch Jahre dauerten, weil jede Seite glaubte, kurz vor einem Sieg zu stehen.
«Auch der russisch-ukrainische Krieg birgt die Gefahr, dass eine der beiden Seiten zu spät erkennt, wann der Endpunkt erreicht ist», sagt Uhl. Er lebte mehr als 20 Jahre lang in Russland und war dort am inzwischen für «unerwünscht» erklärten Deutschen Historischen Institut tätig.
«Russland ist aufgrund seiner Ressourcen durchaus in der Lage, noch weiter Krieg zu führen», sagt Uhl, der am Max Weber Netzwerk Osteuropa arbeitet und Russland weiter bereist. Zwar gebe es zunehmend wirtschaftliche Probleme – nicht zuletzt durch die Sanktionen. Aber der im Westen erwartete Systemkollaps bleibe aus.
Übermacht der Drohnen verhindert echte Bewegung der Front
Der russische Militärexperte Dmitri Kusnez von der kremlkritischen Nachrichtenplattform «Meduza» sieht durch die hohen Ölpreise aktuell eine Entspannung für Putins Kriegskasse. Allerdings bezweifelt er, dass der russische Generalstab unter den Umständen eines Drohnenkriegs und dem geringen Tempo beim Vormarsch der Truppen bis Ende Herbst den Donbass erobern kann. Kusnez sieht die Ukraine mit ihren technologischen Fortschritten besser aufgestellt für den Drohnenkrieg als die Russen.