Drei Sorgen und ein Glücksfall für Wladimir Putin
Autor: Friedemann Kohler, dpa
, Samstag, 17. Januar 2026
Russland - das ist für Präsident Putin eine Großmacht, die überall auf dem Globus etwas zu sagen hat. Doch der turbulente Jahresanfang zeigt ihm Grenzen auf.
Der außenpolitische Jahresauftakt für Russlands Präsident Wladimir Putin: Im prächtigen Alexander-Saal des Kremls empfängt er neue ausländische Botschafter. Angekündigt ist eine wichtige außenpolitische Rede. Aber dann? Kein Wort zu Venezuela, zu den Protesten im Iran, zu US-Präsident Donald Trump - den Themen, die den Rest der Welt seit Neujahr in Atem halten.
Putin spricht allgemein über das Völkerrecht - das er mit seinem Krieg gegen die Ukraine bricht - und findet unfreundliche Worte für die europäischen Nachbarstaaten. Mehr nicht. Dabei dürften die Ereignisse seit Neujahr dem Kremlchef vor Augen geführt haben, dass Russland international weniger durchsetzungsstark ist, als er wünscht. Auf diese Schwächen muss Moskau Antworten erst noch finden. Ein Überblick über Putins Probleme:
Sorgenfall Venezuela: Der entführte Schützling
Mit dem ölreichen Staat im Norden Lateinamerikas ist Russland seit langem verbündet, vergangenes Jahr wurde sogar eine strategische Partnerschaft vereinbart. Und dann nimmt Trumps Militär im Handstreich den Präsidenten Nicolás Maduro fest und bringt ihn in die USA. Die aus Russland gelieferte Flugabwehr - ausgeschaltet. Die Leibwächter aus dem verbündeten Kuba - tot.
Moskau kann nur zusehen. Es muss noch den Spott ertragen, vermutlich habe sich Putin genauso glorreich den Beginn der Invasion in die Ukraine und die Festsetzung des Kiewer Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgestellt.
Venezuela sei für Russland der Versuch gewesen, im Hinterhof der USA Fuß zu fassen, sagte der Experte Alexander Gabuev vom Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin. Doch Putin habe schon den Sturz des syrischen Gewaltherrschers Baschar al-Assad vergangenes Jahr nicht verhindern können. «Das ist keine gute Reklame für Russland als Schutzpatron autoritärer Regime.»
Sorgenfall Iran: Bunte Revolution in Teheran
Im Iran flammen landesweite Proteste auf gegen die autoritäre Herrschaft der Ajatollahs - eine Volkserhebung, wie Putin sie immer als «bunte Revolution» in der Ukraine, Georgien oder im Arabischen Frühling gefürchtet hat. Wie in diesen Fällen sieht der Kreml auch im Iran angebliche Anstifter aus dem Ausland.
Ein Verlust der iranischen Führung als Partner wäre für Moskau schwer zu verschmerzen - nicht nur wegen der gemeinsamen Gegnerschaft zum Westen, sondern weil Teheran Waffen für den Ukraine-Krieg liefert. Ein direktes Eingreifen sei für Moskau eine rote Linie, analysierte Nicole Grajewski in der US-Zeitschrift «Foreign Policy». Doch Moskau tue, was es immer tue, wenn eine autoritäre Regierung ins Wanken gerate: Es habe Teheran Militärausrüstung zur Niederschlagung des Aufstands und zur Ausschaltung des Internets geliefert.