Sorgenfall Ukraine: Die gekaperten Tanker
Auch in Putins Krieg gegen die Ukraine, der bald ins fünfte Jahr geht, mehren sich die Alarmzeichen für Moskau. Der russische Vormarsch im Osten geht weiter, ist aber verlustreich und bleibt hinter den gesteckten Zielen zurück. Die Mobilisierung von Soldaten wird schwieriger, die Staatskasse leert sich. Putin lässt die ukrainischen Städte ins frostige Dunkel bomben, doch der Widerstand der Ukrainer und Ukrainerinnen erlahmt nicht.
Und Trump, auf den Putin als Partner gesetzt hat, lässt Tanker dubioser Herkunft auf den Meeren beschlagnahmen. Für den Herrn im Weißen Haus hängt das mit Venezuela zusammen, aber es geht um dieselbe Schattenflotte, die auch Russlands Öl verschifft, um den Ukraine-Krieg zu finanzieren. Einige Tanker haben sich unter die russische Flagge geflüchtet, doch das bringt keinen Schutz: Die US-Marinesoldaten seilen sich trotzdem auf ihr Deck ab.
Außerdem haben die USA, Kiew und die europäischen Staaten in vielen Verhandlungsrunden seit November eine Vorstellung entwickelt, wie eine Nachkriegsordnung für die Ukraine aussehen könnte. «Russland sieht sich isoliert und unsicher: Die Vorschläge widersprechen fundamental seinen Kriegszielen, doch Moskau zögert, Donald Trump zu verprellen», schrieb die Expertin Tatiana Stanovaya von der Denkfabrik Carnegie.
Glücksfall Grönland: Europa und die USA streiten
Trotzdem ist es wiederum Trump, der Putin gerade ein Stück aus der Patsche hilft. Sein ultimativ vorgetragener Anspruch auf Grönland - autonom, aber zu Dänemark gehörend - schreckt die Europäer auf. Statt um Sicherheitsgarantien für Kiew geht es auf einmal um einen Konflikt in der Nato; statt um Tausende britische oder französische Soldaten in der Ukraine geht es um kleine Vorauskommandos auf der größten Insel der Welt.
«Manche Russen hoffen, dass die US-Ansprüche die transatlantischen Beziehungen weiter spalten», schrieb die Russland-Expertin Hanna Notte auf X. Moskau sehe den Grönland-Konflikt mit Schadenfreude und ahne eine günstige Gelegenheit in Sachen Ukraine. Die anderen Akteure seien abgelenkt. Der Außenpolitiker Grigori Karassin vom Föderationsrat in Moskau hoffte, dass «die paranoide politisch-militärische Unterstützung der "Koalition der Willigen" für Wolodymyr Selenskyj in den Hintergrund rückt».
Doch Trumps Drängen bringt auch Gefahren für Russland. Egal, ob europäische oder amerikanische Soldaten - die Nato wird auf Grönland präsenter. Dabei will auch Moskau die zunehmend eisfreie Polarregion wirtschaftlich und militärisch nutzen. «Alle Versuche, die Interessen Russlands in der Polarregion zu ignorieren, vor allem im Bereich der Sicherheit, werden nicht ohne Antwort bleiben», warnte die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa.