Doch kein Hinrichtungs-Livestream: So begründet Donald Trump seine Kehrtwende
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Fort Hood, Donnerstag, 15. Oktober 2026
Nachdem eine geplante militärische Hinrichtung in den USA ursprünglich live im Internet gezeigt werden sollte, hat Präsident Trump einen Rückzieher gemacht. Zuvor hatte es heftige Kritik gegeben.
Update vom 15.10.2026, 17.49 Uhr: Doch kein Hinrichtungs-Livestream: So begründet Donald Trump seine Kehrtwende
Die geplante Exekution eines zum Tode verurteilten Attentäters auf einem Militärstützpunkt in Texas soll nicht per Livestream übertragen werden. Viele "sehr gute und wohlmeinende Menschen" wollten nicht zusehen, wie der Mann stirbt, erklärte US-Präsident Donald Trump die Kehrtwende auf seiner Plattform Truth Social.
Eine öffentliche Übertragung hätte seiner Meinung nach eine starke abschreckende Wirkung haben können. Die Hinrichtung von Nidal Hasan, der 2009 ein Massaker auf einem Militärstützpunkt verübte, wird nun jedoch nicht im Internet gezeigt. Die engsten Angehörigen der Opfer dürfen auf Wunsch persönlich anwesend sein, erläuterte Trump. Hasan soll am 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas von einem Erschießungskommando hingerichtet werden.
Exekution von Nidal Hassan: Abkehr von Livestream-Plänen
Der ehemalige Militärpsychiater hatte dort 2009 bei einem Angriff 13 Menschen getötet und 32 weitere verletzt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte vergangene Woche zunächst angekündigt, dass die Hinrichtung öffentlich stattfinden soll und später bestätigt, dass es einen Livestream geben soll. Man werde sicherstellen, dass Menschen die Hinrichtung von Hasan öffentlich beobachten können, sagte er dem rechtskonservativen US-Sender Real America's Voice. "Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben." Das Vorhaben stieß parteiübergreifend auf heftige Kritik. US-Vizepräsident JD Vance äußerte Zweifel an den Plänen und sagte, er werde sich eine mögliche Übertragung nicht ansehen.
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Kritiker warnten unter anderem davor, dass die Aufnahmen Terroristen als Propagandamaterial dienen könnten. Zudem warfen die Pläne Fragen auf, wie man hätte verhindern können, dass beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgten. In den Vereinigten Staaten wurden öffentliche Exekutionen unter anderem während des Amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den USA war 1936: Damals wurde in Kentucky ein Mann vor Tausenden Schaulustigen gehängt. International betrachtet fanden im vergangenen Jahr nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt: sechs in Afghanistan und elf im Iran. Hätten die USA ihren Plan durchgezogen, hätte sie das also in die Nähe von Staaten gerückt, deren Vorgehensweisen sie an anderer Stelle gerne kritisieren.
Die Demokraten zogen noch einen anderen Vergleich: Ihr Senator Chris Murphy zeigte sich in einem Interview des US-Senders CNN sichtlich schockiert, als er vergangene Woche von Hegseths Ankündigung hörte: "Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch (die Terrormiliz Islamischer Staat) IS?" Er verstehe zwar, dass es in den USA die Todesstrafe gebe - "aber öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich". Das sei eine der Praktiken terroristischer Gruppen, die die USA verabscheuten. Schon bevor die Livestream-Pläne bekannt wurden, sorgte die Ankündigung der Hinrichtung in den USA für Aufsehen: Falls sie tatsächlich vollzogen wird, wäre es laut dem Death Penalty Information Center die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65 Jahren - und die erste Exekution durch ein Erschießungskommando des US-Militärs seit dem Zweiten Weltkrieg.
Todeskandidat kann Urteil noch anfechten
Sollte das Urteil gegen Hasan vollstreckt werden, wäre es US-Medien zufolge auch die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals ließ Trump in den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren. Der US-Präsident hatte Hasans Exekution erst kürzlich genehmigt - wenige Tage nachdem in Tennessee ein Hinrichtungsversuch gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Christa Pike wurden nach Angaben der Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch sie überlebte. Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA neu entfacht.
Laut dem Death Penalty Information Center ist Hasan einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem. Als Psychiater des US-Heeres hatte er im November 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und zwölf Soldaten sowie einen Zivilisten getötet und Dutzende Menschen verletzt, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde. Hasan gab laut "New York Times" an, den Angriff im Namen des Dschihads, des sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan und Irak habe er illegal genannt. Der Anschlag ereignete sich auf dem Höhepunkt des Anti-Terror-Kampfes nach dem 11. September 2001.