Deutschland will in den UN-Sicherheitsrat - wie und warum?
Autor: Anne Pollmann und Jörg Blank, dpa
, Sonntag, 31. Mai 2026
Angesichts zahlreicher Kriege und Krisen strebt Deutschland mehr Einfluss im mächtigsten UN-Gremium an. Doch die Wahl ist alles andere als ein Selbstläufer. Sogar für einen der UN-Hauptgeldgeber.
Gut möglich, dass es eine Zitterpartie wird, wenn die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen am Mittwoch entscheiden, ob Deutschland zum siebten Mal in den UN-Sicherheitsrat einzieht. Und eine Nervenprobe für Außenminister Johann Wadephul (CDU). Nicht ausgeschlossen, dass bei einem Scheitern auch das außenpolitische Verhandlungsgeschick von Kanzler Friedrich Merz zum Thema wird.
Es geht schließlich um einen Sitz im mächtigsten Gremium der Organisation der Weltgemeinschaft. Wadephul bemüht sich seit Freitag in New York in zahlreichen Gesprächen darum, womöglich noch unentschlossene Staaten zu überzeugen, ihre Stimme Deutschland zu geben. Zentrale Fragen und Antworten zu der Wahl:
Wie läuft die Wahl für den Sicherheitsrat ab?
Deutschland kandidiert in der Regionalgruppe «Westeuropa und andere» für den Zeitraum 2027/2028 für einen der beiden in dieser Gruppe frei werdenden Sitze. Traditionell bewirbt sich Deutschland alle acht Jahre für einen Sitz. Sechsmal war die Bundesrepublik dort vertreten, zuletzt 2019 und 2020. Durchgefallen ist Deutschland laut Diplomaten noch nie.
Für die Wahl in der UN-Generalversammlung ist eine Zweidrittelmehrheit der 193 Mitgliedsstaaten nötig. Weil Afghanistan und Venezuela aktuell nicht stimmberechtigt sind, liegt die Mehrheit bei 128 Stimmen.
Wie stehen die Chancen Deutschlands?
Nach Ansicht von Experten dürfte es ein knappes Rennen werden. Deutschland kandidiert gegen Portugal und Österreich. Misslich für die Bundesregierung ist, dass Österreich seinen Hut bereits 2011 in den Ring geworfen hat und Portugal 2013 nachgezogen ist. Berlin gab die Kandidatur erst 2020 bekannt.
Für Deutschland spricht, dass es EU- und Nato-Mitglied ist, als verlässlicher Partner gilt. Die Bedeutung als Geberland hat durch den Rückzug der USA aus vielen UN-Organisationen noch einmal zugenommen. Nachteilig könnten sich die Stärken der Mitbewerber auswirken: Portugal etwa ist ebenfalls EU- und Nato-Mitglied und hat historisch und kulturell enge Beziehungen zu afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern.
Positiv für Österreich könnte sich dessen Neutralität zu Buche schlagen - Russland und China etwa könnten darin eine angenehmere Partei am Tisch sehen. Angenommen wird auch, dass manche Länder Deutschland wegen dessen Haltung zu Israel im Gaza-Krieg nicht im Sicherheitsrat sehen wollen.