Erst Krawall, dann Liebe: Trump mischt den Nato-Gipfel auf
Autor: Ansgar Haase, Franziska Spiecker und Michael Fischer, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Kanzler Merz beschwört beim Nato-Gipfel den guten «Geist von Ankara». Aber Trump ist auf Krawall aus. Am Ende zeigt er sich doch noch versöhnlich.
Scharfe Attacken gegen Verbündete und ein erneuter Griff nach Grönland: US-Präsident Donald Trump hat seine europäischen Verbündeten beim Nato-Gipfel in Ankara öffentlich brüskiert. Er kündigte am Rande des Treffens an, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender Unterstützung im Iran-Krieg zu beenden und nannte das Land einen «furchtbaren Partner». Auch Deutschland zählte er zu den Ländern, die die USA im Stich gelassen hätten.
Trumps versöhnliches Schlusswort
Seine Gipfelbilanz fiel dann aber ganz anders aus. Er sprach in seiner Abschluss-Pressekonferenz von einem «sehr erfolgreichen Nato-Gipfel», lobte die «unglaubliche Liebe» und Einigkeit im Raum.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zitierte Trump aus der Runde hinter verschlossenen Türen mit den Worten: «There is a feeling of love in the air» - «es liegt ein Gefühl der Liebe in der Luft». Der CDU-Politiker zeigte sich in seiner Gipfelbilanz äußerst zufrieden und sprach weiterhin von einem neuen «Geist von Ankara» und von einer «neuen Nato».
Er meint ein Bündnis, in dem die Europäer mehr Verantwortung übernehmen, um die Amerikaner an Bord zu halten. «Ich fahre jedenfalls in dem sicheren Gefühl zurück nach Deutschland, dass wir einen großen Beitrag geleistet haben, dass die Nato zusammenbleibt, dass sie stärker wird», sagte Merz.
Vor dem Gipfel hatte es Spekulationen gegeben, Trump könnte entweder gar nicht kommen, vorzeitig abreisen oder ein Veto gegen die Veröffentlichung der Abschlusserklärung einlegen, in der die Alliierten sich Beistand im Fall eines Angriffs versichern. So kam es dann nicht. Doch in mehreren öffentlichen Auftritten brachte er seinen Verbündeten zunächst nicht die Liebe entgegen, die er am Ende gespürt haben will.
Vor allem Spanien bekam das ab. Das Land verweigert den USA seit Beginn des Iran-Kriegs die Nutzung von Militärbasen und bekennt sich als einziges Mitglied nicht zum Nato-Ziel, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben. «Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht», sagte Trump bei seinem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. «Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben.»
Rutte widerspricht «Daddy»
Das ging selbst Rutte zu weit, der als Trump-Versteher Nummer eins unter den Europäern gilt. Seine Besänftigungsversuche sind legendär, beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag nannte der Nato-Generalsekretär Trump sogar «Daddy».