Chiles Ex-Präsident Piñera ums Leben gekommen
Autor: dpa
, Mittwoch, 07. Februar 2024
Sebastián Piñera steuert einen Hubschrauber durch den verregneten Süden Chiles. Doch er verliert die Kontrolle. Nun ist der frühere chilenische Präsident tot.
Der frühere chilenische Präsident Sebastián Piñera ist bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Das teilte Chiles Innenministerin Carolina Tohá auf einer Pressekonferenz mit. Präsident Gabriel Boric ordnete eine dreitägige Staatstrauer und ein Staatsbegräbnis an. Am Donnerstag können die Chilenen im ehemaligen Kongressgebäude in Santiago von dem früheren Staatschef Abschied nehmen. Nach einer Messe in der Kathedrale der chilenischen Hauptstadt soll er am Freitag beigesetzt werden.
Der Absturz eignete sich in der Gemeinde Lago Ranco in der südchilenischen Región Los Ríos, wo es laut der Zeitung «La Tercera» zum Zeitpunkt des Unglücks stark regnete. Der 74 Jahre alte ehemalige Staatschef habe den Hubschrauber selbst gesteuert. In der Nähe des Ufers des gleichnamigen Sees Lago Ranco habe er die Kontrolle über den Helikopter verloren, der daraufhin ins Wasser stürzte. Piñera sei ertrunken, sagte die Staatsanwältin von Los Ríos, Tatiana Esquivel, am Mittwoch. Die Todesursache sei bei einer Autopsie festgestellt worden.
Neben Piñera befanden sich laut Innenministerium noch drei weitere Personen an Bord, die den Absturz überlebten und das Ufer aus eigener Kraft erreichen konnten. Einsatzkräfte bargen demnach die Leiche des Ex-Präsidenten aus dem Wasser.
Staatschefs bekunden Trauer
Zahlreiche frühere Weggefährten und Staatschefs aus Lateinamerika reagierten bestürzt. So sprach Argentiniens Präsident Javier Milei der Familie Piñeras, seinen Freunden und dem chilenischen Volk im Namen des argentinischen Staates sein Beileid aus. Auch Uruguays Präsident Luis Lacalle Pou und Kolumbiens Ex-Präsident Juan Manuel Santos bekundeten ihre Trauer. «Sebastián Piñera war ein guter persönlicher Freund und ein großer Verbündeter Kolumbiens», schrieb Santos auf der Plattform X, ehemals Twitter. Der ehemalige mexikanische Präsident Felipe Calderón meinte: «Chile hat einen seiner besten Präsidenten verloren.»
«Wir hatten immer einen guten Dialog, als wir beide Präsidenten waren und auch, als wir es nicht waren», schrieb Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf X. Sein Vorgänger Jair Bolsonaro schrieb, Piñeras Tod sei «ein unersetzlicher Verlust für unsere chilenischen Brüder und Schwestern».
«Obwohl wir ideologisch nicht übereinstimmten, haben wir in vielen Fragen Seite an Seite gearbeitet», teilte der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales mit. Auch Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und die peruanische Präsidentin Dina Boluarte schlossen sich den Beileidsbekundungen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, sein Land behalte Piñeras «entschiedene Haltung bei der Verurteilung der großangelegten russischen Invasion der Ukraine und seine Unterstützung» in Erinnerung.
Der Konservative Piñera war von 2010 bis 2014 und von 2018 bis 2022 Präsident des südamerikanischen Landes gewesen. Auf ihn folgte im März 2022 der Linkspolitiker und derzeitige Präsident Gabriel Boric. Piñera sei ein Demokrat der ersten Stunde gewesen, sagte Boric in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft. «Er versuchte aufrichtig, das seiner Meinung nach Beste für das Land zu tun».