Epstein-Skandal: Britischer Ex-Minister unter Auflagen frei
Autor: dpa
, Dienstag, 24. Februar 2026
Nach Ex-Prinz Andrew wird auch der frühere britische Minister Mandelson im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal festgenommen. Frei kommt er mitten in der Nacht - und nur unter Auflagen.
Der Skandal um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein belastet Großbritannien auf den höchsten gesellschaftlichen und politischen Ebenen. Nach der für das Königshaus bedrohlichen zwischenzeitlichen Festnahme des früheren Prinzen Andrew wurde auch der frühere Minister Peter Mandelson vorübergehend festgesetzt. Bereits die Ermittlungen gegen den 72-Jährigen hatten Premierminister Keir Starmer in eine Regierungskrise gestürzt.
Ebenso wie Andrew Mountbatten-Windsor wird Mandelson Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen. Nach seiner Festnahme am Montagabend durfte er die Polizeistation nach einer Befragung erst am frühen Dienstagmorgen um kurz nach 1 Uhr (Ortszeit) und nur unter Auflagen verlassen. Im Schatten der Nacht wurde er auf dem Rücksitz einer Limousine nach Hause gefahren, wie beim Sender Sky News zu sehen war.
Mandelson hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Anwälte kritisierten, die Festnahme sei durch die «haltlose Behauptung» ausgelöst worden, Mandelson plane, das Land zu verlassen und dauerhaft im Ausland zu leben. Diese Behauptung sei in keiner Weise wahr, teilte die Kanzlei Mishcon De Reya der Nachrichtenagentur PA zufolge mit. Für Mandelson habe es oberste Priorität, zu kooperieren und seinen Namen reinzuwaschen.
Hintergrund der Ermittlungen sind die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. E-Mail-Verläufe legen den Verdacht nahe, dass Mandelson nicht nur enger mit dem Multimillionär verbandelt war als zuvor bekannt, sondern diesem auch sensible Regierungsinformationen während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zugespielt haben könnte.
Premierminister Starmer wegen Mandelson unter Druck
Mandelson war zu Zeiten der Krise von 2008 bis 2010 Wirtschaftsminister unter dem damaligen Premierminister Gordon Brown. Von der Starmer-Regierung war er im Februar 2025 zum britischen Botschafter in den USA ernannt worden - obwohl seine Verbindung zu Epstein im Grundsatz bekannt war. Als immer mehr Informationen zu beiden ans Licht kamen, wurde Mandelson im September 2025 abberufen.
Starmer musste sich deshalb in den vergangenen Wochen immer wieder rechtfertigen. Der Premier distanzierte sich mehrfach von Mandelson; unter anderem sein Stabschef Morgan McSweeney und sein Kommunikationschef Tim Allan traten von ihren Positionen zurück. Die Regierung will - als Reaktion auf entsprechenden Druck von der Opposition, aber auch aus den eigenen Reihen - im März die ersten Dokumente zur Berufung Mandelsons zum Botschafter freigeben.
In älteren Stellungnahmen hatte der Ex-Minister den Kontakt zu Epstein bereut. In den Akten sind etliche Fotos von Mandelson im Umfeld des 2008 verurteilten Sexualstraftäters zu sehen. Auch in einem ominösen Geburtstagsbuch für den US-Multimillionär tauchen Glückwünsche des Briten auf. Epstein, der über Jahre einen auch pädophilen Missbrauchsring betrieben hatte, starb 2019 in Haft.