Botschaft an Trump: EU baut Zusammenarbeit mit Grönland aus
Autor: Ansgar Haase und Julia Wäschenbach, dpa
, Montag, 07. Sept. 2026
Die EU will bis Ende 2027 weitere 200 Millionen Euro in Grönland investieren. Damit setzt sie auch ein Zeichen gegen anhaltende US-Kontrollansprüche. Nun stellt sich die Frage, ob das hilft.
Die EU baut ihre Zusammenarbeit mit Grönland ungeachtet der Kontrollansprüche von US-Präsident Donald Trump deutlich aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnete am Montag bei einem Besuch auf der rohstoffreichen Arktisinsel eine Erklärung zur Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Grönland. Zudem kündigte sie ein neues 200 Millionen Euro schweres Investitionspaket an.
Das Geld soll in diesem und im nächsten Jahr investiert werden und unter anderem die Erschließung kritischer Rohstoffe sowie den Ausbau von sicheren Internetverbindungen über Satelliten und Unterseekabel voranbringen. Einen Teil der Mittel soll die grönländische Regierung zudem nutzen können, um ihre Verwaltungskapazitäten auszubauen. Grönland gehört zwar zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom und nicht Teil der EU.
EU betont Selbstbestimmungsrecht
Laut der Erklärung soll außerdem künftig auch bei der Cybersicherheit, dem Schutz kritischer Infrastruktur und dem Kampf gegen hybride Bedrohungen enger zusammengearbeitet werden. Zu letzteren werden etwa auch Desinformationskampagnen und andere Versuche der Einflussnahme von außen gerechnet.
Unter der kritischen Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören neben Energie, Transport und Verkehr auch Wasser und Ernährung, das Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.
Von der Leyen bezeichnete Grönland bei ihrem Besuch als strategischen Verbündeten und als ein geschätztes Mitglied der «erweiterten europäischen Familie». Die neue Erklärung zur Zusammenarbeit spiegele Grönlands Entscheidung wider, die Beziehungen zur Europäischen Union zu stärken sowie Europas Entscheidung, in Grönland und der Arktis stärker präsent zu sein, sich stärker zu engagieren und mehr zu investieren. «Wir teilen eine gemeinsame Zukunft», sagte von der Leyen.
Die Deutsche betonte bei ihrem Besuch zugleich das Selbstbestimmungsrecht der Menschen und warnte Trump vor einer Annexion der Insel. «Über die Zukunft Grönlands entscheiden die Menschen in Grönland und Dänemark. Niemand sonst», sagte sie.
Trump will Grönland für die USA
Eine Reaktion Trumps auf den Besuch von der Leyens gab es zunächst nicht. Der US-Präsident hatte zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass die USA weiter Ansprüche auf Grönland erheben. Schon 2019 hatte US-Präsident Donald Trump von einem möglichen Kauf der Insel gesprochen - damals hatten das in Dänemark und Grönland viele für einen Scherz gehalten. Doch noch vor Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Trump das Thema wieder auf den Tisch gebracht und den Druck seitdem stetig erhöht.