«Blaue Welle» bei den Midterms? Die Probleme der Demokraten
Autor: Anna Ringle und Khang Mischke, dpa
, Mittwoch, 28. Oktober 2026
Sie hoffen bei den US-Parlamentswahlen auf eine Wende nach der Niederlage von Kamala Harris gegen Donald Trump. Doch bei den Demokraten drückt an mehreren Stellen der Schuh.
Es soll kein hauchdünner Sieg werden, sondern ein so klarer, dass ihn noch nicht einmal Donald Trump wegreden kann: Die Demokraten in den USA hoffen bei den Parlamentswahlen am Dienstag auf ein Comeback. Nach der Präsidentenwahl vor zwei Jahren, bei der ihre Kandidatin Kamala Harris gegen Trump unterlag, waren sie gebeutelt, orientierungslos und zerstritten.
Falls es den Demokraten nun gelingt, sich in einer (nach ihrer Parteifarbe) «blauen Welle» die Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat zurückzuholen, könnten sie dem US-Präsidenten das Leben in seiner verbleibenden Amtszeit schwerer machen - und damit auch ihre Ausgangslage für die nächste Präsidentenwahl verbessern. Eigentlich spielt den Demokraten vieles in die Hände: Trumps Zustimmungswerte sind im Keller, Iran-Krieg und hohe Energiepreise bestimmen die Debatte. Aber die Demokraten haben zugleich viel mit sich selbst zu tun – es plagen sie gleich mehrere Probleme.
1. Fehlende Galionsfigur
Es fehlt seit der herben Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf 2024 die einende Lichtgestalt, die das Potenzial hat, Trump die Stirn zu bieten. Noch mehr: ihn zu überstrahlen. Eine solche Galionsfigur, die früher vielleicht mal Barack Obama für die Demokraten war, ist bislang nicht in Sicht.
Dem einen in der Partei fehlt es Kritikern zufolge an Charisma, dem oder der anderen an Bekanntheit, dem nächsten wiederum an Durchschlagskraft im ganzen Land. Es gibt prominente Köpfe in Senat, Kongress, Gouverneursämtern - doch niemand hat sich klar an die Spitze gesetzt. Im Kontrast dazu versammeln die Republikaner sich seit Jahren mehrheitlich hinter Trump.
Die Zeit drängt: Die Demokratische Partei muss jetzt schon an die Präsidentschaftswahl 2028 denken. Denn nach den Midterms geht traditionell der Wahlkampf los. Dass den Demokraten ein Hoffnungsträger fehlt, macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar.
2. Fehlender Konsens in der Ausrichtung
Seit Jahren mangelt es den Demokraten an einer klaren Ausrichtung, über die parteiübergreifend Konsens herrscht. Das ist wegen der Struktur des US-Parteiensystems ohnehin schwieriger, weil Demokraten und Republikaner als riesige Bewegungen vergleichsweise viele Interessen bündeln müssen.
Die Politologin und USA-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook sieht die Demokraten hier im Nachteil gegenüber der sogenannten Maga-Bewegung hinter Trump, die weite Teile der Republikaner abdeckt. Maga steht für «Make America Great Again» (Macht Amerika wieder großartig). «Wenn es hart auf hart kommt, ist die Koalition von Maga immer noch eine, die es schafft, die eigene Macht so zu bündeln, dass sie für alle in der Bewegung nutzbar wird», sagte Clüver Ashbrook der Deutschen Presse-Agentur. «Trotz der internen Konflikte schafft Maga bislang die Unterordnung unter das Hauptziel: absolute exekutive Kontrolle. Das einende Ziel kommt den Demokraten immer noch abhanden.»