Bericht: UNRWA-Mitarbeiter an Entführung beteiligt
Autor: dpa
, Montag, 29. Januar 2024
Ein Schulmitarbeiter als Geiselnehmer und ein Sozialarbeiter, der Munition verteilt. Die «New York Times» veröffentlicht Details zu den Anschuldigungen gegen Mitarbeiter des UN-Palästinenserhilfswerks.
Deutschland und EU fordern vom UN-Palästinenserhilfswerk eine rasche Aufklärung der Vorwürfe, dass sich ein Dutzend Beschäftigte am Massaker der Hamas in Israel beteiligt haben sollen. Die «New York Times» veröffentlichte bislang unbekannte Details zu den Anschuldigungen. Demnach war ein UN-Mitarbeiter am 7. Oktober an der Entführung einer Frau aus Israel beteiligt, ein anderer habe Munition ausgeteilt. Und ein dritter soll bei einem Massaker in einem Kibbuz mitgemacht haben, bei dem 97 Menschen starben, wie die Zeitung meldete. Quelle sei ein israelisches Dossier, das der US-Regierung vorliege.
Berlin will schnelle Bereinigung
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, es sei jetzt am Palästinenserhilfswerk UNRWA, «sehr schnell und rasch die notwendigen Schritte zur Aufklärung zu unternehmen, um diese Situation zu bereinigen». Er nannte es «erschreckend», dass sich einige UNRWA-Mitarbeiter an dem Massaker vom 7. Oktober beteiligt hätten.
Nach UN-Angaben wurden neun der zwölf Beschuldigten sofort entlassen. Ein weiterer sei tot, die Identität der übrigen zwei werde noch geklärt.
Im vergangenen Haushaltsjahr flossen den Angaben des Sprechers in Berlin zufolge insgesamt 206,5 Millionen Euro von Seiten der Bundesrepublik an UNRWA, davon 130,5 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt. Von den Geldern seien 83 Millionen Euro den Meschen im Gazastreifen zugute gekommen. Zugleich betonte er, die Bundesregierung werde die palästinensische Zivilbevölkerung nicht im Stich lassen, die humanitäre Hilfe für die Palästinenser gehe weiter.
UNRWA-Chef Philippe Lazzarini hatte gewarnt, eine Einstellung der Zahlungen werde dazu führen, dass die Organisation binnen weniger Wochen alle Aktivitäten im Gazastreifen stoppen müsse. Hilfsorganisationen weisen immer wieder auf die schlimme humanitäre Lage in dem umkämpften Gebiet hin und warnen vor einer Hungersnot. Die Vereinten Nationen sind auch für die Verteilung der Hilfsgüter zuständig, die in den Küstenstreifen gebracht werden.
Das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium hatten am Samstag mitgeteilt, dass Deutschland bis zum Ende der Aufklärung vorerst keine neuen Gelder für UNRWA bewilligen werde. Ohnehin stünden derzeit keine neuen Zusagen an.
Waren UN-Mitarbeiter am Massaker in Israel beteiligt?
Das Dossier enthält laut «New York Times» Anschuldigungen gegen zwölf UNRWA-Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte sei am 7. Oktober als Lehrer oder in anderen Funktionen an Schulen des UN-Hilfswerks tätig gewesen. Von den zwölf Beschuldigten seien zehn Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Hamas. Eine Bestätigung der Vorwürfe durch die US-Regierung gab es zunächst nicht. Laut «New York Times» stuft Washington sie aber als glaubwürdig ein.