Schlüsselkästen: Unmut in Bamberg - Demos und Verbote in Spanien & Co.
Autor: Agentur dpa, Julia Gebhardt
Bamberg, Freitag, 16. Januar 2026
Skandinavien, Italien, Spanien - und Bamberg: Schlüsselkästen polarisieren in europäischen Städten, in denen Tourismus boomt. Nicht alle gehen damit gleich um.
Mancherorts gelten sie als praktischer Helfer, in anderen Gegenden sind sie Einheimischen ein Dorn im Auge - und manchmal sind sogar Sozial- und Hilfsdienste auf sie angewiesen: Schlüsselkasten, oft im öffentlichen Raum oder direkt vor der Ferienwohnung angebracht, haben sich gerade im Tourismus in den vergangenen Jahren stark verbreitet. Von Vermietern werden die kleinen Boxen oft zur einfachen Schlüsselübergabe genutzt, etwa bei Plattformen wie Airbnb oder Booking. Sie ermöglichen Gästen einen kontaktlosen Check-in und sparen den Anbietern zusätzlichen Aufwand. Der Besucher kann den Kasten ganz einfach mit einem Zahlencode öffnen und den Schlüssel entnehmen.
So einfach, so gut. Doch in manchen Teilen Europas regt sich seit Monaten der Unmut über die Kästchen. Das Stadtbild sollen sie beeinträchtigen und schlichtweg ein Symbol für Massentourismus sein. Selbst Verbote gibt es schon. Doch nicht alle Touristen-Hotspots gehen mit dem Phänomen gleich um.
Schlüsselkästen in Bamberg - Anwohner äußert Unmut
Auch in Bamberg sieht man Schlüsselkästen vor Wohnungen hängen. In der Weltkulturerbestadt ist der Wohnungsmarkt ebenfalls seit Jahren angespannt, dennoch würden laut einem Beitrag von "quer" vom Bayerischen Rundfunk (BR) vom Juli 2025 "immer mehr Wohnungen in Ferienappartements umgewandelt". In dem Video zeigt der Bamberger Matz Reichart auf einen Hauseingang, neben dem gleich sechs Schlüsselkästen angebracht sind.
"Dann sieht das auch nicht so aus, wie wenn ich hier meine Nachbarn finden könnte, mit denen ich vielleicht mal ein Bier trinke oder mich mal irgendwo treffe", sagt er, selbst ein Anwohner in der Altstadt. Provokant fragt er: "Ab wann stirbt eine Stadt aus?" Aus dem Beitrag wird klar: Ihm geht es bei seiner Kritik an den Schlüsselkästen nicht um optische Einbußen im Stadtbild. Vielmehr beschäftigt ihn das dahinterliegende Problem, das durch sie sichtbar wird: Der Verlust von Gemeinschaft und Wohnraum.
Wie gehen andere Länder und Städte und Tourismus-Hotspots, in denen das Phänomen noch präsenter ist, damit um? Wie reagieren die Menschen dort?
Spanien: Keyboxes teils mit Fäkalien beschmiert
Im Zuge der wachsenden Kontroverse über Massentourismus geraten die Kästchen in Spanien zunehmend ins Visier. Als erste – und bislang einzige – Region hat die sogenannte Autonome Gemeinschaft Valencia im Sommer 2024 Keyboxes für Ferienwohnungen im öffentlichen Raum ausdrücklich verboten. Vermieter dürfen ihre Gäste dort seither nur noch persönlich empfangen oder einen beauftragten Empfangsdienst einsetzen.
In anderen Teilen des beliebten Urlaubslandes, wo es bislang kein vergleichbares Verbot gibt, entlädt sich der Unmut zunehmend auf der Straße. In Sevilla wurden Schlüsselkästen gezielt beschmiert, teils mit Fäkalien. In Madrid werden sie häufig mit Klebstoff unbrauchbar gemacht.