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Crime Index Europa: Diese Städte gelten als besonders unsicher


Autor: Julia Gebhardt

Europa, Mittwoch, 11. Februar 2026

Der neue Crime Index zeigt, wo Europas und Deutschlands Städte besonders riskant sind. Bremen steht erstmals an der Spitze des deutschen Kriminalitäts-Rankings.
In den oberen Rängen der unsichersten europäischen Städte finden sich gleich mehrere französische Städte: Fünf der zehn gefährlichsten Städte Europas liegen in Frankreich.


Die Deutschen reisen gerne – trotz globaler Unsicherheiten, wie Umfragen zeigen. Laut der 41. Deutschen Tourismusanalyse planten zwei Drittel der deutschen Bevölkerung 2025 mindestens eine Reise – fast 39 Prozent der Befragten wollten dabei eine Reise innerhalb der Europäischen Union antreten. Obwohl die Länder der Europäischen Union im weltweiten Vergleich relativ sicher sind, ist bei der Auswahl der Reiseziele dennoch Vorsicht geboten. Ein Ranking listet die gefährlichsten Städte Europas auf.

Dieses basiert auf dem Crime Index der Onlineplattform und Datenbank "Numbeo" – der sich allerdings nicht auf amtlichen Polizeistatistiken, sondern auf Nutzerbefragungen zur wahrgenommenen Kriminalität und dem persönlichen Sicherheitsgefühl stützt. Diese sammelt und analysiert Daten zu unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel zu Lebenshaltungskosten. Auch außerhalb Europas gibt es einige Reiseziele, die 2026 als riskant gelten, weil Krisen und Gewalt zunehmen. Einen Überblick gibt eine neue Risiko-Karte.

Gefährlichste Städte Europas – laut Numbeo Crime Index

Auffällig: In den oberen Rängen der unsichersten europäischen Städte finden sich gleich mehrere französische Städte: Fünf der zehn gefährlichsten Städte Europas liegen in Frankreich.

Allen voran Marseille: Die südfranzösische Hafenstadt befindet sich mit einer Kriminalitätsrate von 66,7 auf dem ersten Platz. Vor allem die Drogen- und Bandenkriminalität ist dort hoch. Gegenüber Deutschlandfunk bezeichnet Nicolas Bessone, der Staatsanwalt in Marseille, die Stadt als "Epizentrum der Drogenkriminalität auf französischem Boden." Inzwischen würden die Rauschgiftbanden dort sogar Teenager rekrutieren, um zu dealen und töten. Touristen sollten vor allem die Viertel im Norden Marseilles, in der Nähe des Stadtkerns, meiden.

Auch englische Städte sind gleich mehrfach in dem Ranking zu finden: Die Universitätsstadt Birmingham landet mit einer Kriminalitätsrate von 63,8 auf Platz zwei. Dort dominieren vor allem Gewalt- und Sexualdelikte, in der Vergangenheit war es primär Bandenkriminalität. Ähnliche Probleme hat auch die englische Stadt Coventry, die mit einer Kriminalitätsrate von 62,7 auf dem dritten Platz landet. Hier ist das Ranking der Top zehn im Überblick:

  1. Marseille, Frankreich
  2. Birmingham, Vereinigtes Königreich
  3. Coventry, Vereinigtes Königreich
  4. Grenoble, Frankreich
  5. Neapel, Italien
  6. Montpellier, Frankreich
  7. Lyon, Frankreich
  8. Bradford, Vereinigtes Königreich
  9. Nantes, Frankreich
  10. Lüttich, Belgien

Deutsche Städte sind in den Top zehn glücklicherweise nicht zu finden. Erst auf dem 40. Platz taucht mit Bremen die erste deutsche Stadt in dem Ranking auf. Dahinter folgen Hannover auf Platz 49 und Köln auf Platz 51.

Einordnung der gefährlichsten Städte Deutschlands

Aber spiegeln diese Daten zur gefühlten Kriminalität die tatsächliche Lage korrekt wider? Zumindest in Deutschland deckt sich für 2025 die gefühlte Kriminalität mit der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (PKS). Die neueste Statistik von Mitte Mai 2025 bezieht sich auf das Jahr 2024 – und auch dort erhält Bremen den ersten Platz als gefährlichste Stadt Deutschlands. In der PKS werden Großstädte ab 100.000 Einwohnern miteinander verglichen.

Insgesamt wurden 89.003 Straftaten 2024 in der Stadt erfasst, was umgerechnet einem Höchstwert von 15.424 Fällen pro 100.000 Einwohner entspricht. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag Bremen noch auf Platz drei. Bremen ist auch erst seit 2024 an der Spitze des unrühmlichen Rankings. Im Jahr zuvor stand Frankfurt noch an der Spitze der Kriminalitätsstatistik.

Doch auch hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Statistik: Laut der Pressestelle des Senats in Bremen würden fast fünfzig Prozent auf Diebstahlsdelikte entfallen, was "wie üblich den größten Anteil der Delikte" ausmache. Auch wenn dabei gegenüber dem Vorjahr ein "deutlicher Anstieg" festzuhalten sei, seien insgesamt weniger Straftaten im Jahr 2024 erfasst worden. Der Anstieg in der PKS erkläre sich durch "intensive Aufarbeitung früherer Fälle".

Insbesondere die "wachsenden Fallzahlen in sensiblen Bereichen wie sexuelle Gewalt an Kindern und Kinderpornografie" seien aber "besorgniserregend". Auch sei die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte "von vier (2023) auf acht (2024)" gestiegen. Zum Vergleich: In Frankfurt wurden siebzehn vollendete Delikte von Mord beziehungsweise Totschlag gezählt. Davon wurden dreizehn Taten im Jahr 2024 begangen, vier Fälle bereits in den Vorjahren. Damit war in keiner anderen großen Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern die Zahl der Angriffe auf das Leben pro Kopf 2024 so hoch.