Ameland: Brand auf Frachter vor niederländischer Küste ausgebrochen - Umweltkatastrophe droht
Autor: Agentur dpa
9161 Ameland, Mittwoch, 26. Juli 2023
Das Feuer auf dem Schiff greift schnell um sich. Menschen springen von Bord - 30 Meter tief. Lösch- und Bergungsschiffe sind Stunden im Einsatz. Der Frachter darf nicht sinken.
Dicke Rauchwolken hängen über dem Wattenmeer, Flammen schlagen aus einem Autofrachter vor der niederländischen Insel Ameland. Gut 27 Kilometer vor der Küste versuchen Rettungskräfte mit aller Macht am Mittwoch (26. Juli 2023) ein Sinken des Schiffes und damit eine Umweltkatastrophe zu verhindern. Der mit knapp 3000 Autos geladene Frachter "Fremantle Highway" war in der Nacht in Brand geraten. Die Besatzung musste Hals über Kopf das Schiff verlassen. Ein Mensch kam dabei ums Leben, die übrigen 22 wurden leicht verletzt.
Bei einem Sinken des Schiffes könnten Treibstoff, Öl und die etwa 3000 Autos ins Wasser und auf den Meeresboden gelangen. "Wir tun alles, um das zu verhindern", sagte ein Sprecher der Wasserbehörde dem Radiosender NOS. Aber die Rettungskräfte bereiteten sich "auf alle Szenarien" vor.
22 Verletzte und ein Toter bei Brand auf Frachter vor Ameland
Die Bergung sei schwierig, sagte der Sprecher der Küstenwache, Edwin Granneman. Und das Feuer war am frühen Mittwochnachmittag noch immer nicht unter Kontrolle. Ein Notkabel, über das der Frachter mit einem Schlepper verbunden ist, sei nicht stabil genug. "Die Lage ist nun zu instabil, um das Schiff wegzuschleppen." Durch das Kabel aber blockiert das Schiff nun nicht länger die Route von und nach Deutschland.
| Name des Schiffs: | Fremantle Highway |
| Schiffstyp: | Autotransporter |
| Länge: | 199,97 Meter |
| Breite: | 32,26 Meter |
| Eigner: | Luster Maritime/Higaki Sangyo |
Gegen Mitternacht war das Feuer auf der "Fremantle Highway", die unter der Flagge von Panama fährt und von Bremerhaven nach Port Said in Ägypten unterwegs war, ausgebrochen, berichtete die Küstenwache. Und zwar bei den etwa 25 elektrischen Autos. Die Besatzung versuchte, den Brand einzudämmen. Doch der breitete sich so schnell aus, dass die Besatzung das etwa 200 Meter lange Schiff verlassen musste. Einige Menschen mussten von Bord springen - rund 30 Meter in die Tiefe.
"Einer nach dem anderen sprang", sagte Kapitän Willard Molenaar vom Amelander Rettungsboot, das als Erstes an der Unglücksstelle war. "Die waren echt in Not, sonst springt man nicht einfach so tief." Sieben Menschen retteten er und seine Crew aus der See. Die übrigen wurden mit Hubschraubern von Bord geholt und in mehrere Krankenhäuser gebracht.
Schwierige Bergung - Rettungskräfte bereitet sich "auf alle Szenarien" vor
Lösch- und Bergungsschiffe waren schnell zur Stelle - auch aus Deutschland kam Hilfe. Doch das Feuer war nur schwer zu löschen. Vor allem die Lithium-Batterien der E-Autos erschwerten die Löscharbeiten, sagte der Sprecher der Küstenwache.
Buch Frachter, Tanker, Bulker bei Amazon ansehenMöglicherweise waren auch sie Ursache des Brandes. Erst kürzlich hatte der Industrieversicherer der Allianz (AGCS) vor erhöhtem Brandrisiko durch den Transport der Lithium-Ionen-Akkus auf Schiffen gewarnt. Hauptursachen für Brände, die von den Akkus ausgehen, seien Produktionsdefekte, beschädigte Batteriezellen oder Geräte sowie eine Überladung oder Kurzschlüsse, schreibt der Versicherer in seiner neuesten Schifffahrtsstudie. Sie seien tückisch, weil sie schwer zu löschen seien und sich spontan wiederentzünden könnten. "Die meisten Schiffe verfügen weder über ausreichenden Schutz noch über ausreichende Frühwarn- oder Löschfähigkeiten, um solche Brände auf hoher See zu bekämpfen", sagte der Schifffahrtsexperte Justus Heinrich.