Abschied von Oleschky – Ukrainer und Russen in Sicherheit
Autor: Ulf Mauder, dpa
, Sonntag, 01. November 2026
Oleschky erhielt durch die von US-First-Lady Melania Trump vermittelte Waffenruhe weltweit Aufmerksamkeit. Nun haben Russen und Ukrainer gemeinsam viele Menschen gerettet. Ist das ein Weg zum Frieden?
In einer von den Kriegsparteien als «historisch» bezeichneten Rettungsaktion haben sich Dutzende Menschen aus der von Russland kontrollierten Frontstadt Oleschky in Sicherheit bringen lassen. Oft nur mit ein paar Beuteln und dem Haustier im Käfig verließen sie die abgeriegelte Zone in dem von Moskau annektierten Teil des Gebiets Cherson. Viele von ihnen sind im fünften Kriegsjahr ausgezehrt, einige verwundet, andere bewegen sich mit nur einem Bein an Krücken oder sitzen im Rollstuhl. Die Rettung kam rechtzeitig vor dem Wintereinbruch.
Bei der Abfahrt aus der verminten Trümmerstadt flossen noch Abschiedstränen. Bei der Ankunft auf von Kiew oder Moskau kontrolliertem Gebiet weinte mancher vor Glück. Die Ukraine feierte ihre Leute wie Befreite aus russischer Kriegsgefangenschaft. Die ebenfalls zahlreichen Menschen, die auf russisches oder von Moskau kontrolliertes Gebiet ausreisten, sehen sich hingegen auch als Opfer ukrainischer Angriffe. Zahlen zu Geretteten nannten die Seiten nicht.
US-First Lady Melania Trump und Papst Leo XIV. haben diese bislang längste und störungsfreie Waffenruhe samt Evakuierung vermittelt. Ein beispielloser Kraftakt sei das gewesen, sagt der Menschenrechtsbeauftragte der Ukraine, Dmytro Lubinez. Er begleitete die humanitäre Hilfsaktion mit seiner russischen Kollegin Jana Lantratowa. Sie zeigen sich nun so zufrieden, dass sie sich weitere Missionen in anderen Frontgebieten vorstellen könnten.
Weitere Hilfsaktionen
Lubinez meint sogar, dass solche Schritte den Weg zu einem Frieden bereiten könnten. Die beiden Vertreter Moskaus und Kiews dankten nicht nur Melania Trump mehrfach für ihr Engagement. Sie lobten sich auch gegenseitig, dass beide Seiten die Vereinbarungen einhielten - ein Novum in den sonst aggressiven Wortgefechten der Staatsführungen.
Lubinez und Lantratowa ließen sich mit geretteten Kindern fotografieren, umarmten die Geflüchteten. «Die Mission ist beendet. Aber leider bleiben die Lebensbedingungen in Oleschky äußerst schwierig», sagt Lantratowa. «Wir unternehmen alle Anstrengungen, um die Einwohner zu unterstützen.» Mit Lubinez habe sie deshalb weitere regelmäßige Hilfsaktionen vereinbart. «Das ist ein wichtiger Schritt», betont sie.
Beim traditionellen Angelus-Gebet äußerte Papst Leo Hoffnung auf weitere Friedensinitiativen. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit zwischen den Parteien, «den Willen zum Dialog stärkt und zu neuen konkreten Friedensinitiativen führt.» Zuvor hatte Melania Trump auf X geschrieben: Oleschky zeige, «dass wir Menschlichkeit über den Krieg stellen können.» Und weiter: «Hoffnung auf nachhaltigen Frieden».
Vor dem Krieg hatte Oleschky noch 24.000 Einwohner. Jetzt sind es wohl noch deutlich über 1.000. Warum bleiben so viele in der Todeszone?