Wie weiter für Wolfram Weimer?
Autor: Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Freitag, 20. März 2026
Nach gut 300 Tagen im Amt hat der Beauftragte für Kultur und Medien weite Teile der Kultur und der Medien gegen sich aufgebracht. Was kann er noch bewirken?
Wolfram Weimer ist ein kultivierter Mensch. Wer ihm gegenüber sitzt, bekommt das wohlige Gefühl, im Zentrum seiner ungeteilten Aufmerksamkeit zu weilen. Der frühere Journalist und Verleger mit Einser-Abitur und Doktortitel bewegt sich rhetorisch geschmeidig in einer intellektuellen Welt zwischen Friedrich Schiller und Jürgen Habermas. Er setzt große Themen, darunter die Filmförderung oder eine Abgabe für Internetkonzerne.
Und doch ist der Staatsminister nach den ersten 318 Tagen seiner Amtszeit das wohl umstrittenste Mitglied im Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz. Wie kann es weitergehen mit einem Beauftragten für Kultur und Medien, der weite Teile von Kultur und Medien gegen sich aufgebracht hat und auch nicht wenige in der Politik?
«Kulturkampfminister»
Zuletzt sah sich der parteilose Politiker mit scharfen Protesten konfrontiert. Erst demonstrierte «Team Tuttle» vor seinem Dienstsitz im Berliner Kanzleramt, als die Entlassung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle im Raum stand. Dann trieb Weimers Entscheidung zum Ausschluss dreier linker Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis die Verlagsbranche auf die Zinne. Demonstranten am Leipziger Gewandhaus titulierten ihn als «Kulturkampfminister». Die Oberen der Messestadt sind auch nicht gut auf Weimer zu sprechen, seit er Pläne für einen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek auf Eis gelegt hat.
«Treten sie zurück!», schleudert ihm der Linken-Politiker David Schliesing bei einer Aktuellen Stunde am Freitag im Bundestag entgegen. Eine «Fehlbesetzung» nennt ihn die Grünen-Fraktionsvize Misbah Kahn und einen «Kulturstaatsminister auf Zeit». Aber ist das so?
«Unterstützung ist da»
Im Bundestag bleibt Weimer stumm, die Tiraden quittiert er manchmal mit einem fast unmerklichen Lächeln. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur macht er deutlich, dass er sich keineswegs geschlagen gibt. «Die Unterstützung aus der Regierung, der Fraktion und der Union ist da», sagt der 61-Jährige. Im Bundestag springt ihm der CDU-Politiker Johannes Volkmann mit deutlichen Worten bei: «Herr Kulturstaatsminister, Sie haben unsere volle Unterstützung.»
Beim Koalitionspartner SPD sieht das etwas anders aus. In der Debatte nennt der Sozialdemokrat Holger Mann Weimers Vorgehen gegen die drei linken Buchläden «bedenklich», er wendet sich gegen «Generalverdachtsklauseln», gegen «Selbstzensur» und «Verengung gesellschaftlicher Debatten». Einen Frontalangriff vermeidet Mann aber.
Weimer selbst sieht keinen Grund, jetzt leise zu treten. «Es liegen wichtige Projekte an wie die Realisierung der großen Filmreform mit Streamerinvestitionsgesetz, die Kulturbautenoffensive oder die Novellierung des Deutsche-Welle-Gesetzes. Die Agenda ist prallvoll.» Sogar im Streit über den Buchhandlungspreis glätten sich aus Weimers Sicht die Wogen. Es seien Gespräche verabredet mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels - zuletzt eine hörbare Stimme im Chor der Kritiker.