Wie Martin Suter die Manager noch einmal aufs Korn nimmt
Autor: Christiane Oelrich, dpa
, Mittwoch, 25. Februar 2026
Elegant, bissig, nostalgisch: Suter lässt die eitlen Typen aus der Teppichetage erneut straucheln. Was sich seit den 90ern geändert hat – und was nicht.
Man könnte es eitel nennen, wenn ein Schriftsteller sich auf den ersten Seiten seines neuen Buches selbst erwähnt. Wenn Charaktere sich an Früheres aus der Feder des Autors erinnern und dabei «brüllen vor Lachen».
So ist es zu lesen im neuen Sammelband des Schweizer Bestsellerautors Martin Suter. «Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice» versammelt kurze Texte, die Suter in den vergangenen Jahren bereits für Zahlende auf seiner Webseite veröffentlicht hatte.
Mit den Geschichten über die Allüren und Eitelkeiten von Managern in der Teppich-Etage - also Geschäftsführung - knüpft Suter an ein Erfolgsrezept aus den 90er Jahren an. Damals erschienen seine «Business Class»-Kolumnen in Schweizer Zeitungen.
Suter und die Eitelkeit
Mit Eitelkeit per se hat Suter kein Problem. Da macht der ehemalige Werbetexter (77) aber feine Unterschiede. «Eitelkeit finde ich uncharmant, wenn es eine Form ist, bei der man auf andere Leute hinunterschaut, eine überhebliche, herablassende oder narzisstische Eitelkeit», sagt er der Deutschen Presse-Agentur.
Bezogen auf das Äußere sagt der stets geschniegelt und im Dreiteiler auftretende Autor: «Die Eitelkeit, die ich verteidige und propagiere, ist die, die Wertschätzung ausdrückt - wenn man sich sorgfältig kleidet und niemand ungewaschen und unrasiert unter die Augen tritt.»
Was sich bei seinen Managern nicht geändert hat
Die Männer und ihre Allüren in seinen Geschichten sind praktisch noch dieselben: Auch sie sind eitel, dabei aber unsouverän und stets darauf bedacht, Vorgesetzte zu umschmeicheln, um die Karriere voranzubringen. Nur an den Herausforderungen des Homeoffice, wegen der Corona-Pandemie, merkt man: Die Manager sind in den 2020er Jahren angekommen.
«Ich verkehre zwar nicht mehr in den Teppich-Etagen, aber so schnell ändern sich die Menschen nicht», sagt Suter. Leute aus dem Milieu hätten ihm versichert: «Genau so ist es.» Dann räumt er ein: «Es gibt auch andere, aber die, die nicht so sind, sind eben auch nicht so unterhaltsam.»