Wer hat die Macht über den Grünen Hügel?
Autor: Kathrin Zeilmann und Britta Schultejans, dpa
, Sonntag, 02. August 2026
Bund und Land überweisen mehr Geld für die Bayreuther Festspiele. Damit steigt auch ihr Einfluss. Was das für die Zukunft des Festivals bedeutet.
Es sind Gesten, Symbole, kurze Nebensätze, die deutlich machen, dass etwas wanken könnte am Grünen Hügel in Bayreuth. Die Richard-Wagner-Festspiele werden von einer Nachfahrin des Komponisten geleitet, von der Regisseurin Katharina Wagner. Aber wie lange noch? Wer hält die Fäden eigentlich in der Hand? Ist Bayreuth nicht längst ein großes Staatstheater für den Bund und den Freistaat Bayern? Eine Spurensuche im Jubiläumsjahr.
«Noch...» in Familienhänden
Nike Wagner, die Cousine der Festspielchefin, die einst mit ihr um den Posten konkurriert hatte, stellte in ihrer Festrede zum 150. Jubiläum vor allem die Frage nach der Zukunft der Festspiele, die immer mehr von einem Familien- zu einem Staatsbetrieb geworden seien. «Eine Art Erdrutsch findet statt», sagte sie und meinte damit «den endgültigen Übergang vom Familientheater zum Staatstheater». Bund und Land, die Geldgeber, die inzwischen so viel Mitspracherecht haben, dass sie die Festspielleitung ernennen, seien für sie «die Totengräber des familiären Elements der Festspielgeschichte». Nur das künstlerische sei heute - «noch» - in Familienhänden.
Symbolträchtiges Händeschütteln am roten Teppich
Normalerweise ist es üblich, dass am Eröffnungstag der Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth die Ehrengäste am roten Teppich begrüßt. Das Zeremoniell nennt sich «Auffahrt» und ist ein großes Ding in der Stadt mit vielen Zaungästen. In diesem Jahr aber hatten sich der neue Oberbürgermeister Andreas Zippel und sein Partner Luca Maaß kaum vor dem Königsportal des Festspielhauses positioniert, kamen auch schon der Berliner Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und seine Frau Christiane dazu. Sie stellten sich ebenso wie wenige Minuten später Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) einfach vor den Oberbürgermeister. Weimer begrüßte jeden Ehrengast mit den Worten «Willkommen zum Jubiläum!» Katharina Wagner indes wartete direkt an der Tür des Königsportals, erst als die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel eintraf, kam sie nach draußen.
Zippel wurde zu später Stunde beim Staatsempfang vom Reporter des «Nordbayerischen Kuriers» gefragt, ob das denn so bleiben werde, dass Weimer und Blume mit begrüßen. Zippels kurze Antwort: «Das werden wir in der Zukunft sicherlich ausdiskutieren.» Die «Aktion» sei sehr kurzfristig gekommen. Weimer selbst beantwortete die Frage nach dem roten Teppich gar nicht, Blume sagte, das habe sich «tatsächlich so ergeben», unterstreiche aber die große Rolle der Gesellschafter Bund und Land.
Es gibt mehr Geld von Bund und Land
Denn in der Tat: Auch wenn die Politik derzeit auf allen möglichen Feldern den Rotstift ansetzt - für die Festspiele gilt das nicht. Um je eine Million werden Bund und Land künftig ihre Zuwendungen aufstocken, auf jeweils mehr als 5,2 Millionen pro Jahr.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe deutlich gemacht: Bei Kunst und Kultur werde nicht gespart, sagte Blume. Man sehe das auch als Versicherung gegen autoritäre Strömungen.
In Sachen Festspiel-Finanzen erklärte er: «Wir sind auch bereit, dauerhaft mehr zu tun, weil wir natürlich sehen, dass Tarifentwicklungen und Kostensteigerungen auch vor den Bayreuther Festspielen nicht Halt machen.» Je eine Million mehr von Bund und Freistaat - «das ist eine positive Ansage für die Zukunft».