Wenn der Theaterabend sieben Stunden dauert
Autor: Julia Kilian, dpa
, Dienstag, 28. April 2026
Viele können heute ja kaum 15 Minuten vom Handy lassen. Und genau in dieser Zeit schauen sich manche Theateraufführungen an, die zarte sieben oder acht Stunden dauern. Wieso macht man das?
Was man in acht Stunden machen kann? Einen Arbeitstag hinter sich bringen, mit dem ICE durch Deutschland fahren - oder man geht ins Theater. Auf Marathonabende setzen deutsche Bühnen immer wieder - wie jetzt beim Theatertreffen in Berlin. Die Münchner Kammerspiele zeigen dort «Wallenstein. Ein Schlachtfest in sieben Gängen». Dauer: sieben Stunden.
Gut, da kann man sich erstmal denken «Uff». Aber es geht noch etwas länger. Die Berliner Volksbühne bringt demnächst «Peer Gynt» zurück. Der erste Abend dauerte acht Stunden und wäre vielleicht nach 02.00 Uhr noch weitergegangen, hätte das Team nicht die Arbeitszeiten berücksichtigen müssen.
«Ich hoffe, es ist vorbei», sagte ein Mann damals nach mehr als sechs Stunden. Eine Frau dagegen hielt den Abend für phänomenal. Was fasziniert an superlangen Theaterabenden in einer Zeit, in der manche kaum vom Handy lassen können? Und werden Theaterabende insgesamt eigentlich länger?
Werden Theaterstücke länger?
Eine Statistik gibt es dazu beim Deutschen Bühnenverein nicht. «Mit Blick auf die vergangenen Jahre zeigt sich, dass es immer mal wieder sehr lange Inszenierungen gab», teilt eine Sprecherin mit. Zum Beispiel Luk Percevals «Schlachten» bei den Salzburger Festspielen 1999 (zwölf Stunden) oder «Die Brüder Karamasow» am Bochumer Schauspielhaus 2023 (sieben Stunden).
«Während und kurz nach der Pandemie haben die Bühnen überwiegend Aufführungen ohne Pausen angeboten, so dass die Spieldauer deutlich kürzer ausgefallen ist», erklärt die Sprecherin.
Ähnliches beobachtet die Festivalleiterin des Berliner Theatertreffens, Nora Hertlein-Hull. Ihre erste sehr lange Inszenierung hat sie 2007 bei den Wiener Festwochen gesehen. Die New Yorker Gruppe Elevator Repair Service habe sich den Roman «Der große Gatsby» vorgenommen. Und auf der Bühne das komplette Buch in sieben Stunden vorgelesen.
«Ich packe mir ein Brot ein»
«Ich bin da hineingestolpert», erzählt Hertlein-Hull. Aber sie sei von der Erfahrung total fasziniert gewesen. Sie nehme so etwas dann meistens sehr sportlich. «Also man richtet sich dann auch ein und sagt: "Okay, ich gehe jetzt einen Tag ins Theater. Ich packe mir ein Brot ein"», sagt Hertlein-Hull.