Politik auf der Bühne? Künstler setzen Zeichen beim Festival
Autor: Chatarina Zelt und Martin Oversohl, dpa
, Freitag, 04. Sept. 2026
Wird «Forever Young» jetzt wird zum Symbol für Meinungsfreiheit? Warum der Alphaville-Klassiker nach dem Streit um politische Äußerungen auf dem Glücksgefühle zu hören ist.
Im Streit um politische Äußerungen auf dem Glücksgefühle-Festival erlebt der mehr als 40 Jahre alte Alphaville-Klassiker «Forever Young» ein kleines Comeback. Nachdem die Band ausgeladen und trotz Wiedereinladung ferngeblieben war, nahmen mehrere Künstler den Song spontan in ihr Programm auf dem Hockenheimring auf.
Auslöser war die Bitte der Veranstalter, bei Auftritten nicht über Politik zu sprechen. Alphaville wurde zunächst ausgeladen, nach zahlreichen Medienberichten über die Aktion später aber wieder eingeladen - und blieb dennoch fern. Die Ausladung hatte heftige Kritik hervorgerufen und den Auftakt des Festivals überschattet.
«Das ist superdämlich gewesen»
Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnete seine ursprüngliche Entscheidung am Rande des Festivals als Fehler. «Das ist superdämlich gewesen», sagte er. Er hätte es aber begrüßt, wenn Alphaville nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre. «Dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können», sagte Krampe.
Hintergrund des Konflikts waren politische Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold bei einem früheren Konzert. Nach Angaben Krampes hatten sich daraufhin Besucher beschwert - sie wollten beim Festival abschalten und keine Themen hören, die ohnehin aus den Nachrichten bekannt seien. Deshalb habe er das Management gebeten, politische Äußerungen auf der Bühne künftig zu unterlassen.
«Maulkorberlass» oder «Good vibes only»?
Die Veranstalter erklärten, das Festival sei «komplett unpolitisch». Es gehe nicht um Golds politische Haltung, sondern um den Rahmen der Veranstaltung und das Versprechen «Good vibes only». Alphaville wertete die Forderung dagegen als unzulässige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Gold sprach von einem «Maulkorberlass» und einem feindseligen, unnötigen Vorgang.