Weimer wegen gestoppten Bibliotheksbaus in Kritik
Autor: dpa
, Freitag, 13. März 2026
Neben der Debatte über den Buchhandlungspreis sorgt Weimers Entschluss gegen einen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek für Gegenwind. Worum es dabei geht und wie sein Haus argumentiert.
Wenige Tage vor dem Start der Leipziger Buchmesse zieht Kulturstaatsminister Wolfram Weimer weitere Kritik auf sich. Neben der Debatte um den Deutschen Buchhandlungspreis sorgt der Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) für Empörung mit der Entscheidung, dass die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig vorerst keinen fünften Erweiterungsbau bekommt.
«Jeden Tag eine schlechte kulturpolitische Nachricht aus dem Bundeskanzleramt», teilte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, mit Blick auf die Deutsche Nationalbibliothek mit.
Die Bibliothek hatte mitgeteilt, Weimer habe sich gegen die Realisierung des geplanten Erweiterungsbaus entschieden. Dieser sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und anderen Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft. Es seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung geflossen.
Weimer will digital sammeln lassen
Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht kommen soll. Die Planungen seien wegen der unsicheren Haushaltslage des Bundes ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. «Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.»
Laut Gesetz müssen Verlage derzeit prinzipiell zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird - und das - wenn möglich - ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Die Deutsche Nationalbibliothek habe kürzlich einen aktuellen Planungsstand zum angestrebten Erweiterungsbau übermittelt. Die Kosten hätten zwar nochmals deutlich gesenkt werden können, lägen aber immer noch bei 100 Millionen Euro.
Zimmermann bezeichnete die Begründung, «dass die Sammlung körperlicher Medienwerke nicht mehr zeitgemäß sei», als «höchst beunruhigend». «Früher war gerade den Konservativen die physische Bewahrung von Kulturgut wichtig, wofür steht konservative Kulturpolitik heute?»