Was die PHP-Sicherheitslücke für das Internet bedeutet
Autor: Christoph Dernbach, dpa
, Donnerstag, 22. Oktober 2026
Notfall-Updates sind verfügbar, doch weltweit suchen Angreifer weiter nach ungeschützten Servern. Wann kann bei der PHP-Sicherheitslücke Entwarnung gegeben werden?
Eine gravierende Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP versetzt derzeit die IT-Welt und Betreiber von Webseiten in Aufruhr. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und internationale Experten warnen vor akuter Gefahr. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Was genau ist passiert und wie schwer wiegt das Problem?
In der weit verbreiteten Programmiersprache PHP, die als technisches Fundament für einen Großteil aller weltweiten Webseiten dient, wurden zwei extrem kritische Schwachstellen entdeckt. Unter dem Namen «PHP2Shell» (registriert unter CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619) ermöglichen diese Fehler Kriminellen, aus der Ferne eigenen Schadcode auf Servern auszuführen.
Weil dadurch eine vollständige Übernahme betroffener Systeme droht und die Details der Lücke vorab unbeabsichtigt an die Öffentlichkeit gelangten, stufen Behörden und IT-Sicherheitsexperten die Lage als außerordentlichen Notfall ein. Viele Webseitenbetreiber haben ihre Internetauftritte vorsorglich vom Netz genommen. Inzwischen sind aber viele Websites wieder online, nachdem die Betreiber die Updates eingespielt hatten.
Sind meine persönlichen Daten auf Online-Portalen oder in Onlineshops in Gefahr?
Ja, indirekt besteht ein Risiko. Wenn eine Website, ein Bürgerportal oder ein Onlineshop die betroffene PHP-Version nutzt und nicht rechtzeitig geschützt wurde, können Angreifer über den Schadcode Zugriff auf die dahinterliegenden Datenbanken erlangen. Dadurch könnten sensible Kundendaten, Passwörter oder Kontaktdaten abfließen.
Auf den Endgeräten der Nutzer selbst (wie Smartphones, Tablets oder PCs) besteht jedoch keine direkte Gefahr; die Schwachstelle liegt ausschließlich auf den Servern der Webseitenbetreiber im Hintergrund. Wenn Hacker die Kontrolle über einen Webserver erlangen, kann dieser auch als Ausgangspunkt für weitere Angriffe in die internen Netze verwendet werden.
Wie konnten die Sicherheitslücken so lange unentdeckt bleiben?
Tatsächlich ist die fundamentale Schwachstelle im Speichersystem von PHP seit mehr als 20 Jahren in Fachkreisen ein Thema. Bereits 2004 stieß der deutsche IT-Experte Stefan Esser auf ähnliche Sicherheitslücken. PHP setzt beim Verarbeiten von Anfragen ein striktes Limit für den Arbeitsspeicher. Wenn eine Anfrage dieses Limit überschreitet, bricht der Server die Verarbeitung abrupt ab und hinterlässt einen technisch instabilen Zustand. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden zwar ähnliche Fehler von Sicherheitsteams gemeldet. Da aber niemand den praktischen Nachweis erbrachte, wie man darüber eine Webseite hacken kann, wurden die Stellen im Code nicht repariert.
Welche Rolle spielt bei der PHP-Krise die Künstliche Intelligenz?
Bislang sind nicht alle Details bekannt, wie die PHP-Fehler entdeckt worden sind. Es spricht aber viel dafür, dass sie durch den massiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz aufgespürt wurden.