Warum Serien über Familien und Dynastien so angesagt sind
Autor: Patricia Bartos und Sabrina Szameitat, dpa
, Donnerstag, 16. Juli 2026
«Succession», «Downton Abbey», «Bridgerton» oder jetzt «The Forsytes»: Serien über (mächtige) Familien faszinieren seit Jahrzehnten. Wieso können wir so oft nicht aufhören, ihnen zuzuschauen?
Sie spielen im 21. Jahrhundert oder 200 Jahre früher, im Schloss oder vorstädtischen Einfamilienhaus, mit opulenten Kostümen oder schicken Anzügen. Wer sich durch das Programm der Streamer, Mediatheken und Sender klickt, merkt: Serien über Familien und Dynastien liegen immer wieder hoch im Kurs.
Das ZDF zeigt neuerdings die Kostümserie «The Forsytes - Familie verpflichtet» (im ZDF-Streaming-Portal abrufbar), eine Neuverfilmung der Romane von Literaturnobelpreisträger John Galsworthy über eine wohlhabende Börsenmakler-Familie im Viktorianischen Zeitalter.
Bei Netflix läuft im September die zweite Staffel der Kriminalkomödie «The Gentlemen» an. In der Produktion von Guy Ritchie lässt sich eine Aristokratenfamilie auf einen Deal mit einem kriminellen Drogenimperium ein. Und bei den Emmy-Awards ist die Historienserie «The Gilded Age» über die Machtkämpfe zweier gegensätzlicher New Yorker Familien als beste Dramaserie nominiert.
Familien und Macht: Warum das einen Nerv trifft
Familienkonflikte kennt jeder – kein Wunder also, dass Serien, die sich mit Streit, Verflechtungen, Macht oder gar Intrigen in der Verwandtschaft beschäftigen, über die Genres hinweg einen Nerv treffen. Es gebe «eine wahnsinnige Breite des Genres», sagt Daniela Schlütz, in Potsdam Medienforscherin an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Dadurch ist für jeden Geschmack was dabei - seien es Sitcoms wie «Modern Family» oder «Türkisch für Anfänger», ernstere Produktionen wie die Gangster-Drama-Serie «Peaky Blinders» oder historische Romanzen wie «Bridgerton».
Egal, ob romantische Liebesgeschichten oder Machtspielchen à la «Succession»: In irgendeiner Form könne sich jeder in solche Geschichten und Charaktere hineinversetzen, findet Schlütz. Schließlich ist jeder Mensch in irgendeiner Form mit Familienkonflikten vertraut. Es gehe immer um die erweiterte Familie, «als Urkonstellation menschlichen Zusammenlebens».
Serien über Dynastien sind Familienserien - aber nicht andersherum
Hinter vielen solcher Serien stecke häufig die Frage: «Wie gehen wir miteinander um? Wie wollen wir miteinander umgehen?», sagt die Expertin. Erzählerisch werde oft ein Spannungsfeld zwischen dem Überleben der Gruppe - der Familie oder der Dynastie - und dem «individuellen Freiheitsdrang der einzelnen Familienmitglieder» geöffnet.
Viele der Serien, die wie «Downton Abbey» oder «The Crown» in der Vergangenheit spielen, bedienen auch eine bestimmte Stimmung: Nostalgie. Der Wunsch in einer komplexen und beängstigenden Gegenwart, in eine vermeintlich einfachere Welt mit vermeintlich klaren Regeln einzutauchen – oder schlicht die Neugier auf andere Zeiten, wie Schlütz ausführt.