Warum Podcasts immer öfter auch als Video funktionieren
Autor: Thomas Bremser, dpa
, Donnerstag, 04. Juni 2026
Video-Podcasts verbinden Bild und Ton. Formate wie «Gemischtes Hack» und «Take Me Späti» sind beliebt und erreichen deutlich mehr Menschen. Ersetzen sie bald das klassische Fernsehen?
Mit «Gemischtes Hack» verbinden viele den Fleischmix aus Rind und Schwein. Doch Medienprofis wissen natürlich: Hinter dem Begriff steckt Deutschlands erfolgreichster Podcast, der 2017 startete und vor anderthalb Jahren ein Update bekam. Seitdem können Fans den Gastgebern Felix Lobrecht und Tommi Schmitt nicht nur beim Plaudern zuhören, sondern sie dabei auch sehen.
Die Kameras laufen im kleinen Berliner Sendestudio immer mit, zeigen Gesichtszüge, Handbewegungen und das Geschenkeauspacken zu Weihnachten. «Gemischtes Hack» als Symbiose aus Podcast und klassischem Fernsehen steht stellvertretend für eine Entwicklung.
Denn immer häufiger erscheinen Formate fürs Ohr auch als Video. Aus dem einstigen Zusatzangebot ist ein eigener Trend geworden. Vor allem Plattformen wie YouTube treiben diesen voran. Videos können die auditiven Inhalte anschaulicher machen, etwa durch Körpersprache, Einblendungen oder Grafiken, was Gespräche oft lebendiger und verständlicher wirken lässt.
«Du siehst die Mimik und Gestik im Bild. Das ist einfach schön zu sehen. Das ist wie gutes Fernsehen, so wie es einst mal war», findet Senna Gammour. Die 46-Jährige war in den 2000ern Mitglied der Girlband Monrose («Hot Summer») und präsentiert mit ihrer damaligen Bandkollegin Bahar Kizil den Podcast «Recall», natürlich auch als Videoformat.
Das steckt hinter dem Video-Podcast-Trend
Ein Grund für den Trend ist ein verändertes Nutzungsverhalten. Viele betrachten Podcasts nicht mehr strikt als Audio, sondern wollen flexibel zwischen den Varianten wechseln. Eine Umfrage des US-Konsumforschungsunternehmens MRI-Simmons zeigt, dass drei Viertel der Nutzerinnen und Nutzer von Podcasts die Videovariante als Ergänzung verstehen. Diejenigen, die Videopodcasts bevorzugen, hören weiterhin auch den klassischen Podcast.
So wie Netflix und Co. die maximale Freiheit der Konsumentinnen und Konsumenten garantieren, läuft es also auch beim hybriden Podcast: Wer gerade Zeit hat, sich im Zug oder zu Hause ein Format anzuschauen, nutzt die visuelle Variante. Wer sich im Fitnessstudio oder Auto befindet, hört eher den klassischen Podcast.
Ein weiteres Beispiel: «Take Me Späti», kürzlich erst mit zwei Preisen beim ersten Deutschen Podcast Award ausgezeichnet, ist aktuell einer der gehyptesten Videopodcasts bei der jüngeren Generation. Content Creatorin Sara Arslan spricht im Setting eines Berliner Spätkaufs mit prominenten Gästen, wie Rapper Cro oder Popsänger Mark Forster.