Warum Humor für Kalle Pohl ein Lebensretter ist
Autor: Jonas-Erik Schmidt, dpa
, Montag, 26. Oktober 2026
Bei «7 Tage, 7 Köpfe» war Kalle Pohl oft der Kleine. Abseits der Bühne musste er sich mehrfach neu erfinden - und eine Krebserkrankung überstehen. Mit 75 blickt der Komiker zurück - und nach vorn.
Das Eiscafé könnte aus einer anderen Zeit herübergerettet worden sein. Mintgrüne Sitzecken, Beigetöne an den Wänden, ein Interieur wie aus einem alten Familienalbum. In einer Ecke, fast zu übersehen, sitzt der Mann, der mit «7 Tage, 7 Köpfe» Millionen Menschen zum Lachen brachte, vor einem Latte macchiato und denkt über sein Leben nach. «Wenn ich nicht Komödiant geworden wäre, würde ich hier nicht sitzen», sagt Kalle Pohl. «Ich würde nicht mehr leben.»
Was macht es mit einem Menschen, wenn er immer wieder neu anfangen muss? Kaum jemand kann darüber so viel erzählen wie der Komiker Kalle Pohl. Dass er schon so viele Leben gelebt hat, wissen allerdings nur wenige.
Er begann eine Kochlehre, machte eine Ausbildung in einer Lumpenfabrik, wurde irgendwann Polizist, Briefträger und Musikstudent. Er erlebte Fernsehruhm und Zeiten, in denen es ruhiger um ihn wurde. Und er erkrankte an Krebs. Heute, mit 75, zieht Pohl eine Art Bilanz.
Er hat ein Buch über all das geschrieben. Es heißt «Wenn es ernst wird,
bleib ich Komiker». Der Titel ist mehr als ein Versprechen auf Unterhaltung. «Humor ist mein Lebensretter», sagt Pohl bei dem Treffen im Eiscafé der Deutschen Presse-Agentur.
Pohl hatte vor einiger Zeit bemerkt, dass er immer schlapper und müder wurde. Deshalb ging er zum Arzt, in der Hoffnung, «irgendeinen Wachmacher» zu bekommen. Stattdessen erhielt er die Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom. «Eine Form von Lymphdrüsenkrebs», erzählt Pohl.
Die härteste Rolle seines Lebens
«Anfang August 2023 habe ich mit der Chemo begonnen. Nach zwei Monaten war ich körperlich so etwas von fertig. Da kam ich kaum aus dem Bett», berichtet er. «Wenn ich mich vom Schlafzimmer durch den Flur zur Küche schleppte, diese fünf oder sechs Meter, bin ich zusammengebrochen.»
In dieser Zeit wird eine Nachbarin zur wichtigen Stütze. Sie geht mit Pohls Hund spazieren, sie kocht für ihn. «Das war lebensrettend», sagt der Komiker. Pohl, seit Jahren geschieden, lebt allein.