Die Rückkehr des Politischen bei den Oscars
Autor: Lisa Forster, Barbara Munker, Anne Pollmann, Sabrina Szameitat, dpa
, Montag, 16. März 2026
Ein Film über militanten Widerstand räumt ab: «One Battle After Another» gewinnt sechs Oscars - und Hollywood entdeckt seine politische Stimme wieder.
Ein Politthriller über militante Aktivisten, die Migranten helfen, als großer Gewinner. Ein Peniswitz gegen US-Präsident Donald Trump. Und eine abfällige Bemerkung zur Doku über dessen Ehefrau Melania: Die diesjährige Oscarverleihung stand wieder mehr im Zeichen der Politik - fast so, als hätte Hollywood seine politische Stimme wiedergefunden.
Noch im vergangenen Jahr wirkte die Branche nach der Wiederwahl Trumps auffällig zurückhaltend, beinahe wie gelähmt. Nun hat sich diese Schockstarre zumindest etwas gelöst. Einige Reden und auch die am meisten prämierten Filme greifen politische Themen auf - von gesellschaftlicher Spaltung über Rassismus bis zu staatlicher Gewalt.
Viele Academy-Mitglieder scheinen ihre Stimme 2026 nicht nur als ästhetisches Urteil verstanden zu haben, sondern auch als Möglichkeit eines Statements zum Zustand der USA.
Der Oscar-Abräumer des Abends: «One Battle After Another»
Der Politthriller «One Battle After Another» von Paul Thomas Anderson gewann mit sechs Auszeichnungen die meisten Oscars, darunter den Preis für den besten Film. Anderson erzählt darin auf formal originelle Weise von militanten linken Aktivisten in den USA, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen.
Der Film basiert auf einem Roman von Thomas Pynchon, der in den 1980er Jahren spielt - wirkt aber überraschend zeitgemäß. Anderson zeichnet das Bild eines Amerikas im Alarmzustand: geprägt von Abschiebungen, bewaffneten Sicherheitskräften und einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen glauben, für ein besseres Land kämpfen zu müssen. Der Film gewann auch in den Kategorien Regie, Nebendarsteller, adaptiertes Drehbuch, Schnitt und in der neuen Sparte Casting.
Gewinner Michael B. Jordan würdigt schwarze Vorreiter
Das Vampirdrama «Blood & Sinners» war mit 4 Auszeichnungen der zweite Sieger, enttäuschte aber, war es doch mit einer Rekordzahl an 16 Nominierungen als großer Favorit ins Rennen gegangen.
Der Film von Ryan Coogler erzählt von Rassismus, Gewalt und historischer Schuld in den amerikanischen Südstaaten. Daneben stehen aber auch Motive wie die Kraft der Blues-Musik im Fokus.