Alphaville von Festival ausgeladen: Das löst der Vorfall aus
Autor: dpa
, Donnerstag, 03. Sept. 2026
Künstler kritisieren die Ausladung der Band scharf. Auch die Politik reagiert. Nun bleibt die Band trotz Wiedereinladung endgültig fern. Was hinter dem Streit beim Glücksgefühle-Festival steckt.
Trotz Wiedereinladung kein Auftritt: Die Band Alphaville («Forever Young») wird endgültig nicht beim Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring spielen. «Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim "Glücksgefühle Festival" gebührend respektiert», teilte Alphaville-Sänger Marian Gold der dpa mit. «Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen.» Die Gage des geplatzten Auftritts soll demnach an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.
Nach Kritik an der Absage eines Auftritts von Alphaville bei dem Festival hatten sich die Veranstalter entschuldigt. «Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid», sagte Markus Krampe, der das Festival seit 2023 mit dem Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski organisiert, der «Bild». «Wir laden Alphaville ein, wie geplant Teil des Festivals zu sein. Nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet.»
Auslöser sei eine frühere Veranstaltung gewesen, bei der Marian Gold sich politisch geäußert hatte, erklärte Krampe auf Instagram. Gäste hätten sich im Nachhinein beschwert: Sie wollten beim Festival abschalten und nicht das hören, was sie ohnehin aus den Nachrichten kennen. Daraufhin habe er das Management gebeten, auf politische Äußerungen zu verzichten. «Das war natürlich falsch», sagte Krampe. Die Absage auf die Wiedereinladung akzeptiere er.
Podolski schrieb vor der Absage von Alphaville noch auf Instagram: «Ich finde es gut, dass Markus die Entscheidung nochmal überdacht und klar gesagt hat, dass es ein Fehler war.» Die Band sei herzlich willkommen auf dem Festival.
Debatte um politische Äußerungen auf der Bühne
Der 72-jährige Gold hatte in einem Beitrag in sozialen Netzwerken die Ausladung öffentlich gemacht und von einem «Maulkorberlass» gesprochen. Die Veranstalter hatten unter anderem argumentiert, man habe sich mit der Band nicht darauf einigen können, «politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen». Laut dem Bandmanager geht es um Aussagen gegen rechts und für Demokratie. Viele - auch prominente - Menschen kritisierten die Ausladung.
«Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen», erklärte Krampe schließlich. Sein Wunsch sei es, die Aufmerksamkeit wieder auf die Musik und die Menschen vor und hinter der Bühne zu lenken: «Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass genau dieses Gefühl bleibt.»
Campino: «Grenze überschritten und eingerissen»
Als die Nachricht über den abgesagten Auftritt die Runde machte, mehrte sich Kritik. «Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer. Jemand, der stabil ist für die Demokratie», sagte Campino, Frontmann der Toten Hosen, am Mittwochabend bei einem Konzert in Münster. «Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.»