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ZDF-Reportage schürt Skepsis vor dem WM-Start: "Fußball ist Donald Trump völlig egal"


Autor: Teleschau  

, Mittwoch, 10. Juni 2026

Am Donnerstag beginnt die WM der Superlative. Die meisten Teilnehmer, die meisten Spiele. Und die zerstrittensten Gastgeberländer aller Zeiten. Das liegt vor allem am US-Präsidenten. Eine "auslandsjournal"-Reportage zeichnet ein ernüchterndes Bild.


"Wir kommen zusammen für die Kraft des Sports." Das sagt Wilson Williams, der Chairman der indigenen Squamish. Die zählen zu den First Nations und leben um Vancouver. Zur WM zollt Kanada den Indigenen Respekt und präsentiert stolz seine Vielfalt. Davon kann man weiter südlich nur träumen.

Dort gilt weder interne noch externe Vielfalt viel. Die US-amerikanischen Indigenen werden bei der WM jedenfalls nicht im Rahmen von Stadion-Shows trommeln und tanzen. Und Menschen aus anderen Ländern denken auch eher argwöhnisch an Einreisekontrollen oder Abschiebungen. In diesem Klima der Angst vor ICE und den Beleidigungen und Demütigungen durch den US-Präsidenten Donald Trump soll eine unbeschwerte Fußball-Party gedeihen? Nur bedingungslose Idealisten glauben es.

David Sauer scheint keiner zu sein. "Die Hoffnung, dass König Fußball hilft, Grenzen zu überwinden, könnte in diesem Sommer eine Illusion bleiben", heißt es am Ende seiner 30-minütigen ZDF-Dokumentation "Foulspiel unter Freunden", die die Situation in den USA, Mexiko und Kanada vor der WM zeigt. Die Skepsis ist berechtigt, wenn es nach dem amerikanischen Sportjournalisten Pablo Maurer geht. Denn der ist der Meinung, dass Trump, der wahre Zampano der Spiele, weder Ahnung noch Interesse am Sport habe: "Ihm ist Fußball völlig egal."

"Normale" Fußball-Fans können sich die WM gar nicht leisten

"Trump geht es nur um Aufmerksamkeit", ergänzt Maurer. "Er glaubt, was man ihm eingeflüstert hat: dass die WM sowas ist wie 100 Superbowls." Und diese Aufmerksamkeit möchte der Präsident auch ungern teilen. Die Mit-Gastgeber Mexiko und Kanada behandelt er wie lästige Anhängsel. Eigentlich schlimmer: Die Mexikaner beleidigte er pauschal als Drogenhändler, illegale Einwanderer und/oder Kriminelle. Kanada wollte er zum 51. US-Bundesstaat machen. Mit beiden Nachbarn zettelte er einen Handelskrieg an, Richtung Mexiko zementierte er die Abschottungsmauer, seine Einwanderungsbehörde ICE schiebt Mexikaner ab oder "parkt" sie in Einrichtungen wie "Alligator Alcatraz", dem Internierungslager mitten den Everglades von Florida.

Das Erstaunliche ist, das zeigt die "auslandsjournal"-Doku: Ihre WM-Euphorie lassen sich Fans in Mexiko und Kanada trotzdem nicht kaputtmachen. Wobei, auch das wird deutlich: Die wenigsten werden Spiele live besuchen können. Journalist Maurer wird ironisch: "Menschen ohne Ausweispapiere sind nicht die Zielgruppe der Spiele. ICE wird in den Stadien kein Publikum vorfinden, in dem es potenzielle Zielpersonen gibt." Soll heißen: Normale Einwanderer können sich die horrend teuren Tickets sowieso nicht leisten.

"Die WM ist eine reine Marketing- und Konsum-Maschinerie"

Auf einem 2.750 Meter hoch gelegenen erloschenen Vulkan bei Mexiko-Stadt treffen sich jeden Sonntag Mannschaften aus allen Stadtteilen zum Kicken. Im Schlepptau Fans, die Getränke, Hühnchen und Tacos und gute Laune im Gepäck haben. Paris Tovar ist immer dabei und sagt: "Fußball ist nicht mein Hobby. Fußball ist mein Leben." Für ihn und die Kumpels bedeutet Fußball Zusammenhalt, Spaß, ehrlichen Wettkampf, eine gute Zweit mit Freunden, ein totales Miteinander.

Also exakt das Gegenteil dessen, was ab morgen für fünfeinhalb Wochen ansteht: das größte kommerzielle Spektakel. Enrique Jimenez, Trainer beim Vulkan-Turnier und sonst Busfahrer, hält nicht viel vom großen Kick: "Die WM ist eine reine Marketing- und Konsum-Maschinerie." FIFA-Chef Gianni Infantino und seinen neuen besten Buddy Donald Trump wird's freuen. Die haben sich lieb, nicht erst, seit Infantino extra für Trump den FIFA-Friedenspreis erfand und ihn damit hofierte.

Nur "König Fußball" dürfte sich in Schrecken abwenden.

"auslandsjournal - die doku: Foulspiel unter Freunden" ist in der ZDF-Mediathek zu sehen und läuft in der Nacht zu Donnerstag um 0.45 Uhr im ZDF.

Quelle: teleschau – der mediendienst